Die Meldung bei NZZ Online (23.11.08, 11.18h) liest sich harmlos: “Die Unsicherheit um das US-Hilfspaket für die Banken hat den Dollar auf Talfahrt und das Erdöl in die höhe Getrieben. Noch nie war der Erdölpreis so schnell so hoch gestiegen. Wie gross die Nervosität derzeit ist, zeigt sich daran, dass die Erdöl-Notierungen am Dienstag aber bereits wieder deutlich nach unten korrigiert haben.”
Da hat die liebe NZZ (für einmal) nur die halbe Wahrheit geschrieben. Die enormen Ausschläge im Öl-Future vom Montag klingen verdächtig nach Short Squeeze! Worum geht’s?
Wer in Rohöl investiert, kauft nicht das Öl selbst. Er schliesst ein Termingeschäft auf Öl ab. Er schliesst also heute ein Geschäft ab, das zu einem späteren Zeitpunt statt finden wird. Wenn dieses Geschäft standardisiert wird (Ölqualität, Menge, Liefertag), wird es handelbar: ein Future.
Nun, bei Verfall muss das Geschäft glatt gestellt oder verlängert werden. Kein Investor will das Öl nach Hause geliefert bekommen. Er will nur an der Preisentwicklung partizipieren. Glatt stellen bedeutet, das Geschäft zu schliessen. Die Verlängerung der Investition wird allgemein als “rollen” bezeichnet. Bei einer bestehenden Short-Position (der Investor rechnete mit sinkenden Ölpreisen) wird der alte Kontrakt (Oktober) gekauft und der nächste Kontrakt (November) verkauft. Dies kann zu starken Kursausschlägen und hektischen letzten Handelsstunden in einem Kontrakt führen. Was geschah also am Montag?
Offensichtlich gab es kurz vor Verfall noch zahlreiche Short-Positionen im Markt. Diese investoren mussten noch vor Handelsschluss Öl-Kontrakte kaufen. Ansonsten hätten sie Öl (welches sie nicht haben) liefern müssen. Es schein ziemlich schwierig gewesen zu sein, eine Gegenpartei zu finden, die den willigen Käufern einen Kontrak verkauft hätte. Die Käufer mussten immer mehr bieten und trieben so den Preis bis auf die Höchstmarke von USD 123 pro Fass. Der gleichzeitige Verkauf (rollen) des November-Kontrakts brachte aber nur USD 109 ein. Ein ziemlich happiger Rollverlust.
“Noch nie…” tönt im NZZ-Artikel etwas spektakulär. Diese Grafik zeigt, dass es in der Vergangenheit schön öfters solche “Verwerfungen” am Verfalltag gegeben hat. In absoluten Zahlen ausgedrückt, hat die NZZ natürlich recht. Stellt man die Differenz von Frontmonth zu Nextmonth aber grafisch dar, relativiert sich das Bild.
Wie auch immer, das spannende Ereignis vom Montag gibt “Live-Anschauungsunterricht” an den Future-Märkten. Es passt zur letzten Woche: Crazy Market – crazy prices. Und hat wohl am Montag für die eine oder andere schlaflose Nacht gesorgt…











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