Die Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten (oder der Druck, die Verkaufsmaschinerie aufrecht zu halten?) treibt manchmal seltsame Blüten.
Letzte Woche ist mir die CS-Publikation “Trends” auf den Tisch geflattert. Herr Doktor Patrick Kolb stellt darin auf Seite 8 die “Investitionsmöglichkeit private Gefängnisse in den USA” vor. Er nennt Corrections Corp., GEO Group und Serco als grösste private Gefängnisbetreiber. Und er rechnet vor, dass die jährliche Wachstumsrate der “Gefängnispopulation” seit 1995 bei 3.4% lag, während die US-Bevölkerung lediglich 1.2% jährlich zulegte.
“Investitionsmöglichkeit!” schreit da des Anlageberaters Hardcore-Verkäufers Herz. In der Folge wird die Argumentation weiter geführt, mit einem netten Chart untermauert und darauf hingewiesen, dass “privater Vollzug” der rezessionsbeständigste Sektor sei.
Pietätlos!







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Übrigens, in der Finanz und Wirtschaft vom 29.11.08 ist auf S. 37 ebenfalls ein positiver Artikel über Privatgefängnisse abgedruckt.
@andi
Danke für den Hinweis. Generell scheint das Thema langsam in den Medien Niederschlag zu finden. Die FuW schreibt im letzten Satz: “Risikofähige Investoren, die sich nicht am Geschäftsmodell stören, können (…).” – Ich störe mich am Geschäftsmodell. Muss wirklich mit allem und jedem die Diversifikation verbessert oder eine Rendite erzielt werden? Gibt man den Gefängnisbetreibern als Investor nicht falsche Anreize auf der Kostenseite?
@rwilli
Ich persönlich finde das Geschäftsmodell nachvollziehbar, sicher besser als bei den Banken/Versicherungen, wo man wirklich nicht weiss, wo und wann die nächsten Finanzbomben explodieren werden (sind es Kreditkarten, Autoleasing, Studentenkredite oder gar Kreditderivate?). Man kann dort auch wirklich nicht sagen, ob das Gröbste schon vorbei ist.
Der besagte FuW-Artikel ist für mich ausgewogen, nachvollziehbar und glaubwürdig, so wie ich es von einer seriösen Berichterstattung erwarte.
PS: Wieso ist diese Rubrik unter Alternative Anlagen? Für mich sind das Aktien, keine Hedge Funds, Private Equity etc.
@andi
Nichts gegen den FuW-Artikel! Gut geschrieben, fundiert, nachvollziehbar. Es geht auch nicht darum, ob man das Geschäftsmodell “nachvollziehbar” findet, sondern ob man sich daran “stört”.
Kategorie “Alternative”, weil direkte (!) Investitionen in Gefängnisprojekte dem Bereich Infrastruktur zugeordnet werden können. Genau wie Investitionen in Brücken oder Strassenabschnitte. Die Mittel des Staats reichen nicht mehr aus und er arbeitet mit mit der “privaten Hand” zusammen. Habe aber auf deinen Hinweis hin die Kategorie “Aktien” ergänzt.