Im financeBLOG habe ich schon mehrere Artikel zu LIBOR, TED-Spread und Risk-Spreads geschrieben. Zum Beispiel hier und hier. Aufgrund der zahlreichen Suchbegriffe nehme ich das Thema nochmals auf.
LIBOR steht für London Interbank Offered Rate. Es handelt sich um den Referenz-Zinssatz für international tätige, erstklassige Banken. Bei normal funktionierenden Märkten kann eine Bank benötigte Liquidität zum LIBOR beschaffen bzw. überschüssige Liquidität zum LIBID (London Interbank Bid Rate) anlegen. Kredite und Anlagen erfolgen “blanko”, also unbesichert. Der Zinssatz wird an jedem Handelstag um 11.00 Uhr in London festgelegt. Dabei wird der Durchschnitt aus den Zinssätzen der 16 sogenannten Panel Banks gerechnet. Er dient als Referenz und Berechnungsgrundlage für unzählige Kredite (z.B. LIBOR-Hypothek, Zinssätze LIBOR+Zuschlag(z.B. LIBOR+150bp), Interest Rate Swaps, Futureskontrakte).
Dieser Chart zeigt den Schweizerfranken-LIBOR seit 1990 (Quelle: Economagic.com). Den tagesaktuellen Kurs findet man auf der Website der SNB.
Diesen Frühling kam der LIBOR erstmals “etwas in Verruf”. Zahlreiche Marktteilnehmer waren der Meinung, dass der LIBOR künstlich tief gehalten werde. In Wahrheit seien die teilnehmenden Banken gar nicht mehr bereit, einander zu den publizierten Sätzen Kredite ohne Sicherheiten zu geben.
Im Zuge der sich verschärfenden Kreditkrise stieg das Misstrauen unter Banken. Wegen Unsicherheiten über die Bilanzen der möglichen Kreditpartner waren die Banken nicht mehr bereit, einander Kredite ohne zusätzliche Sicherheiten zu geben. Als Alternative wurden Repo-Geschäfte abgewickelt, Kredite wurden also nur noch gegen Sicherheiten (Wertpapiere, sog. “repofähige Assets”) gewährt.
Der TED-Spread drückt diese Differenz zwischen “risikolos” und “Bankenrisiko” aus. Genauer: der TED-Spread ist die Differenz zwischen der Rendite für den Dreimonats-USD-Libor und der Rendite für Dreimonats-US Treasury-Bills. Auf Bloomberg findet man den aktuellen TED-Spread.
Interpretation: Bis Sommer 2007 konnten sich international tätige Banken zu Zinssätzen refinanzieren, welche nur unwesentlich über denjenigen für Staatspapiere lagen. Diese Banken wurden vom Markt also als “ähnlich sicher wie der Staat” (!) eingestuft. Der Ausbruch der Subprime-Krise im Juli 2007 ist deutlich zu sehen. Diesen Herbst nun hat der Aufschlag historische Höchststände erreicht, ein Maximum an Misstrauen gegenüber den betroffenen Banken. Gut zu sehen, dass sich der TED-Spread von den Höchstständen wieder deutlich verabschiedet hat. Die Rettungsaktionen und Liquiditätsspritzen haben im USD-Bereich bereits gegriffen. Eine ähnliche Bewegung würde auch den CHF-Zinssätzen gut tun und für weitere Beruhigung sorgen.











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Ein Thema, in dem ich mich nicht so gut auskenne. Aber so klasse erklärt, scheint es nicht mehr schwierig. Ein Dankeschön!
@Die Börsenfrau
Herzlichen Dank. Solch’ Feedback ist motivierend und verpflichtend zugleich! Freut mich wirklich. Ich werde mein kleines financeBLOG-Experiment wohl noch eine Weile weiterführen…
Ich hoffe, die Weile dauert etwas länger … Wir Frauen sind doch wissbegierig.
Hallo,
wo kan man am besten aktuelle TED spread Werte ablesen?
Gruß
Robert
@Robert
Oben im Text ist der TED-Spread zu Bloomberg verlinkt. Wenn du den direkten Link willst (Flash benötigt): http://www.bloomberg.com/apps/cbuilder?ticker1=.TEDSP%3AIND
Hi.. Gibt es auch irgendwo eine grafik bzw. werte , von dem spread zwischen dem schweizer Libor und den Schweizer Leitzins.. ?? dieser spread lässt doch auch rückschlüsse auf das vertrauen im markt ziehen?
danke
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