Hedge-Funds – Sind die Verkäufe durch?

by rwilli on 30. November 2008

2008 geht als bisher schlechtestes Jahr in die Geschichte der Hedge-Funds ein. Gemäss Daten von Hedge Fund Research Inc. hat der durchschnittliche Hedge-Fund von Januar bis Ende Oktober 15.5% an Wert verloren. Kursverluste und Rückzüge von Kunden reduzieren das Vermögen der Hedge-Funds um rund 25%.

Hedge-Funds erlebten vor allem nach der Baisse von 2000-2003 Rekordzuflüsse. Zu Beginn wurden sie als Vehikel angepriesen, welche regelmässig und unabhängig von den restlichen Finanzmärkten hohe absolute Renditen versprachen. Da war schnell einmal von jährlich +15% netto die Rede. Als sich diese Traumrenditen nicht mehr einstellten, änderte die Argumentation. Die tiefe Korrelation zu den Finanzmärkten war nun das Hauptverkaufsargument. Gleiche Rendite bei weniger Schwankungen, also bessere Sharpe Ratios, wurden versprochen.

Das Börsenjahr 2008 hat diese Aussagen/Annahmen relativiert. Wenig Transparenz, enormer Leverage, hohe Korrelation zu den anderen Finanzinstrumenten. Hedge-Funds müssen ihre Berechtigung als Anlagekategorie für die breite Masse erst noch beweisen.

Der dramatische Rückgang der Vermögen in Hedge-Funds könnte aber durchaus etwas Positives haben.

Zuerst aber ein paar Fakten:

  • Der Hedge-Fund-Manager David Tepper hatte zu Beginn des 3. Quartals 2008 US-Aktien im Wert von USD 3.1 Mrd. in seinen Funds. Ende Quartal waren’s noch USD 648 Mio.
  • Atticus Capital LP, New York hat im Verlauf des dritten Quartals das Engagement in US-Aktien von USD 8.1 Mrd. auf USD 510 Mio. reduziert. Gemäss einer Information an die Investoren hatte Fundmanager David Slager per 1.10.08 mehr als 50% Liquidität im Funds. Dies, nachdem der Funds in diesem Jahr 43.5% verloren hat.
  • Tudor Investment Corp., eine Hedge-Funds-Gruppe die von Paul Tudor gegründet wurde, hat die Investitionen in US-Aktien von USD 5.7 Mrd. auf USD 453 Mio. reduziert.

Quelle: Bloomberg

Als Begründung für die deutlich tieferen Engagements in US-Aktien werden unisono die gleichen drei Gründe genannt: sinkende Aktienkurse, Kündigungen/Rückzüge von Investoren und schwierigere Bedingungen bei der Aufnahme/Verlängerung von Krediten.

Was an diesen Zahlen positiv sein soll? Nun, Rückzüge per Ende Jahr mussten bis zum 15.11.08 angemeldet sein. Gut möglich, dass die umfangreichen Verkäufe getätigt wurden, um die Liquidität für diese Rückzüge bereit zu stellen. Dies würde bedeuten, dass der Verkaufsdruck an den Aktienmärkten seitens der Hedge Funds (vorerst) vorüber ist.

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Thinkabout Dezember 1, 2008 um 03:19

Wie war das mit der allgemeinen Erklärung für Wertschriftenpleiten? Wo besonders hohe Renditen versprochen werden, ist Vorsicht am Platz…
Hedge Funds operieren mit Unsummen – ohne jegliche Transparenz und weit davon entfernt, nach so greifbaren Regeln wie z.B. eine Bank zu operieren.
Ich sage einfach: Finger weg. Dieses Phänomen ist eine Spätgeburt des eben kollabierten Finanzsystems.

rwilli Dezember 3, 2008 um 21:28

@Thinkabout
Mit dieser Meinung bestätigst du genau den aktuellen Trend in der Hedge Fund-Branche. Die im Post erwähnten Zahlen sprechen Bände. Gerade heute habe ich gelesen, dass mind. die Hälfte aller HF in den nächsten 12 Monaten verschwinden wird/könnte.

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