Öl-Futures im Super-Contango

by rwilli on 21. Januar 2009

Die Verwerfungen bei den Erdölpreisen halten an. Wer eine einfache, verständliche Erklärung der Öl-Futureskontrakte will, findet sie in früheren Posts auf financeBLOG, zum Beispiel hier und hier.

20090119 oil supercontango1 Öl Futures im Super Contango

Öl-Futures im Contango (Januar 2009)

Quelle Chart: Goldman Sachs, Know how-Magazin, 1/2009

Öl-Futures befinden sich immer noch in einem sehr stark ausgeprägten Contango (siehe Chart). Kontrakte mit längerer Laufzeit sind deutlich teurer als solche mit kürzerer Laufzeit. Dies soll auch so sein, denn längere Laufzeit bedeutet höhere Lagerkosten für das Öl, längere Versicherungsdauer und somit höhere Versicherungsprämien oder auch höhere Kapitalkosten wegen längerer Kapitalbindung. Der Aufpreis für länger laufende Kontrakte ist zur Zeit aber so hoch, dass von “Super-Contango” geschrieben wird. Die NZZ schreibt sogar von einer Contango-Blase.

Die aktuellen Futures-Preise zeigen aber noch eine weitere, heftige Preisverzerrung:

Es geht um die unterschiedliche Preisentwicklung der verschiedenen Rohöl-Qualitäten. West Texas Intermediate (WTI) ist leicht und schwefelarm. Europäische Raffinerien bevorzugen die Nordsee-Qualität Brent. Normalerweise liegen die Brent-Preise gleich oder leicht unter den WTI-Preisen (Quelle: NZZ). In der aktuellen Marktphase hat WTI jedoch die Rolle als Indikator für die anderen Öl-Preise weitgehend eingebüsst.

Wie lässt sich die gegenwärtige Verzerrung interpretieren?

Es kann argumentiert werden, dass die Märkte allgemein steigende Preise erwarten. Die Marktteilnehmer würden Öl kaufen und einlagern, um später von höheren Preisen zu profitieren. Die Lagerhaltungskosten schlagen dann auf länger laufende Kontrakte nieder.  Nun, dieser Argumentation kann entgegnet werden, indem man auf die Angebotsseite hin weist. Die Lager sind nicht überfüllt, weil Marktteilnehmer das Öl in der Hoffnung auf steigende Preise horten, sonder weil die Ölproduzenten schlicht nicht wissen, wohin mit dem Öl. Ein Einbruch auf der Nachfrageseite wegen weltweiter Rezession scheint mir der realistischere Erklärungsansatz zu sein.

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