Ja, ja, der Dow Jones Industrial Average (DJIA). Das wohl am meisten beachtete Börsenbarometer der Welt. Die Mutter aller Börsen-Indices. Neben dem Dow Jones Transportation Average (DJTA) der älteste noch bestehende Börsenindex. Begründet von Charles Dow (1851-1902), um die Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes darzustellen.
Dow Jones Industrial Average (1875-2008) - Quelle: Wikipedia
Der DJIA ist ein sogenannter Preisindex. Dies bedeutet, dass zur Berechnung nur der aktuelle Börsenkurs der im Index enthaltenen Aktien beigezogen wird. Dies im Gegensatz zu kapitalgewichteten Indices (z.B. S&P500), bei denen die Börsenkapitalisierung als Gewichtung im Index dient. Der DJIA berücksichtig keine Dividenden, Bezugsrechte oder Sonderzahlungen.
Aktuell führt diese Berechnungsmethodik zu erheblichen Verzerrungen. Im untenstehenden Chart fällt auf, dass der DJIA (rot/schwarze Linie) vor allem in den letzten Monaten eine merklich bessere (weniger schlechtere…) Performance erzielt hat als der S&P500 (schwarze Linie). Während der S&P500 in den letzten zwölf Monaten -40.81% verloren hat, liegt der Verlust im DJIA “nur” bei -37.21%. Dies ist unüblich. Wird der DJIA manipuliert?
Dow Jones Industrial vs. S&P500 (1.2.08-31.1.09)
Werfen wir einen Blick auf die Details:
Zusammensetzung des Dow Jones Industrial Average (DJIA) mit Schlusskursen per 31.1.2009.
| Aktie | Kurs $ |
|---|---|
| 3M | 53.79 |
| Alcoa | 7.79 |
| American Express | 16.73 |
| AT&T | 24.62 |
| Bank of America | 6.58 |
| Boeing Co | 42.31 |
| Caterpillar Inc | 30.85 |
| Chevron | 70.52 |
| Citigroup | 3.55 |
| Coca-Cola Co | 42.72 |
| Du Pont Nemours&Co | 22.96 |
| Exxon Mobil | 76.48 |
| General Electric | 12.13 |
| General Motors | 3.01 |
| Hewlett-Packard | 34.75 |
| Home Depot | 21.53 |
| IBM | 91.65 |
| Intel | 12.90 |
| Johnson & Johnson | 57.69 |
| JPMorgan Chase & Co. | 25.51 |
| Kraft Foods-A | 28.05 |
| McDonald's | 58.02 |
| Merck | 28.55 |
| Microsoft | 17.10 |
| Pfizer | 14.58 |
| Procter&Gamble | 54.50 |
| Utd Technologies | 47.99 |
| Verizon Comm | 29.87 |
| Wal-Mart Stores | 47.12 |
| Walt Disney-Disney | 20.68 |
| Summe | 1004.53 |
| Divisor | 0.12555 |
| Dow Jones Index | 8000.86 |
Diese Tabelle zeigt alle 30 im DJIA enthaltenen Industriewerte. Die Schlusskurse sind vom Freitag, 30.1.2009. Die Summe aller Schlusskurse ergibt USD 1’004.53. Teilt man diesen Wert durch den aktuellen DJIA Divisor (0.125552709, hier gefunden), erhält man den Schlusskurs des Dow Jones per 30.1.09 von 8’000.86.
Jetzt wird’s erst richtig spannend! Diese Berechnungsmethodik gibt den Aktien mit hohem USD-Kurs automatisch ein grosses Übergewicht. Dies im Gegensatz zu kapitalgewichteten Indices, bei welchen die Börsenkapitalisierung massgebend ist. Lass’ uns ein wenig spielen:
- Nehmen wir an, Microsoft geht Konkurs und der Kurs fällt auf null. Dies kostet den DJIA -136 Punkte
- Die gleiche Annahme für IBM ergibt einen Verlust von -730 Punkten im Index
- Wenn alle Finanzwerte Konkurs gehen, verliert der DJIA -417 Punkte. Dies war auch schon eine Tagesbewegung…
- Wer General Electric (GE) wegen des grossen Engagements im Finanzbereich (eine streitbare Position) zu den Finanzwerten zählen will: dies ergäbe einen Verlust im DJIA von -538 Indexpunkten.
Dies muss ich wiederholen: Das Indexkommitee des Dow Jones Industrial Average gewichtet IBM deutlich höher als alle Finanzwerte inkl. GE zusammen. IBM hat mehr Einfluss auf den Indexstand als die gesamte erwähnte Finanzgruppe.
Bei Dow Jones, dem “Inhaber” des DJIA, gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Demnach wird eine Aktie aus dem Index genommen, wenn der Kurs unter USD 10 fällt. Folgende Aktien müssten demnach aus dem Index fallen:
- Alcoa
Bank of America
Citigroup
General Motors
Wenn all diese Aktien am Montag bei “null” eröffnen würden, ergäbe dies im DJIA einen Verlust von -167 Punkten.
Schlussfolgerung
Die traditionelle, über Jahrhunderte bewährte Berechnungsmethodik des DJIA weist eklatante Mängel auf. Diese sind nicht neu, schlagen aber im aktuellen Bärenmarkt stark zu buche. Aufgrund der sehr tiefen Gewichtung von Finanzwerten und Autoherstellern im Index (Grund: tiefer absoluter Kurs) ist eine substanzielle Abweichung zu kapitalgewichteten Indices entstanden. Der DJIA ist deutlich weniger gefallen als andere Indices. Von Manipulation kann zwar nicht die Rede sein. Das Indexkommitee müsste jedoch die Aktien mit Tiefstkursen unter USD 10 aus dem Index entfernen. Dass dies nicht geschieht, könnte politisch motiviert sein.
Idee/Quelle: Thoughts from the Frontline, Biancoresearch, eigene Berechnungen







{ 2 comments… read them below or add one }
Sollte in dieser Überlegung nicht dann auch berücksichtigt werden, dass z.B. Citi und General Motors von viel höheren Kursen kommen?
D.h. deren schlechte Entwicklung ist bereits eingepreist.
Würde mich eher fragen, was das fürs Trading bedeutet. Sollte man dann eher den S&P500 oder den DowJones bei einer Erholung kaufen?
gruss
eachtradingday
@eachtradingday
Du hast natürlich recht. Aber der Rückgang in DJIA und S&P500 ging bis vor einigen Wochen simultan. Zur Zeit haben die Finanzwerte im S&P500 immer noch ein Gewicht von rund 11%.
Wenn du beim Trading auf eine Erholung (der Finanzwerte) setzt, solltest du sicherstellen, dass sie genügend Gewicht haben. Also lieber S&P500 als DJIA. Oder gleich ein ETF auf Financials für ganz offensive Trader.
Andersrum, wenn du auf ein Bearmarketrally setzt aber den Finanzwerten immer noch nicht traust, spricht dies für den DJIA (oder wiederum ein Sektor-ETF, z.B. auf Utilities).
{ 2 trackbacks }