US-Dollar, whazzup?

by rwilli on 28. März 2009

Auf meinen Post vom 16.3.2009 (Die Schweiz öffnet die “Büchse der Pandora”) habe ich von Christian Zenker einen spannenden Kommentar erhalten. Vielen Dank Christian, für einen Blogger sind Kommentare ein schönes Feedback.

Hier der Kommentar:

Ich finde das mit dem Dollar so eine schwierige Sache. Kann nachvollziehen, dass aus “politischen”, “taktischen” und weiteren Gründen der Dollar Aufwärtsdruck ausgesetzt werden sein könnte. Fundamental müsste der Dollar in der mittleren Frist aber unter Druck geraten, oder? Oder ist das reine Antiamerikanische Schwarzmalerei, die man hier und da hört (”Dollar bei 50 Rappen”). Abgesehen vom Dollar müsste der Franken generell eher als starke Währung bestätigt werden (auch ggü dem Euro) – u.a. aufgrund der Tatsache, dass wir eine viel höhere Deficit Spending Disziplin haben (dank den vernünftigen Schweizern) als die Eurozone-Länder und die USA an den Tag legen. Was meinst Du zu dem? Wie wird die SNB dem begegnen?
Könntest Du die Zusammenhänge hinter der Währungsbeeinflussung noch etwas klarer aufzeigen? VWL liegt schon ein Weilchen zurück. – Christian Zenker

Tja, da mache ich doch gleich einen Post daraus. Es gibt mir auch Gelegenheit, einige persönliche Einsichten in die Finanzmärkte zu teilen.

US-Dollar aus Sicht von Ökonomen

Der USD gegen CHF bei 0.50. Oder gar bei Null? Aus fundamentaler Sicht ist der US-Dollar angeschlagen. Als Hauptargument dient seit Jahren das Zwillingsdefizit. Die Kombination aus Budgetdefizit und Handelsbilanzdefizit. Neu kommt die unter dem Begriff “Quantitative Easing” verwendete “Gelddruckerei” dazu. Wieviel Wert soll eine Währung noch haben, wenn sie in beliebiger Menge zur Verfügung gestellt werden kann? Man wird wohl kaum einen Ökonomen finden, der nicht – aufgrund dieser fundamentalen Fakten – prognostiziert, dass der USD schwächer werden müsste.

Nun ist das mit den Ökonomen aber so eine Sache. Schliesslich will ich als Investor die Finanzmärkte und nicht (nur) die Wirtschaftsentwicklung verstehen. Gerade das letzte Jahr hat gezeigt, dass dies zwei unterschiediche Paar Schuhe sind. Als die meisten Ökonomen noch im letzten Herbst eine Rezession von sich wiesen, hatten sich die Aktienmärkte bereits halbiert. Fundamentale, ökonomische Faktoren reichen also nicht aus, um eine Kursbewegung einer Währung oder irgend eines Finanzmarktes einzuschätzen.

US-Dollar aus Sicht der Märkte

Starker USD oder schwacher EUR

Der Markt macht immer, was er muss! Aber nie dann, wenn es die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet. Für mich ist einer der Hauptgründe, warum der USD seit Mitte 2008 aufwärts tendiert, dass kaum jemand daran glaubte. Ich habe USD-Käufe bereits im Post vom 15.8.2008 nahe gelegt. Der “Contrarian” in mir ist weit ausgebildet. Und es war damals einfach zu offensichtlich, dass kaum jemand auch nur einen Pfifferling auf diese Währung gewettet hätte. Ein guter Zeitpunkt, um sich zu positionieren.

Ich ging damals davon aus, dass nicht eine USD-Stärke sondern eine EUR-Schwäche die Trendwende auslösen wird. Darauf habe ich im Post vom 18. Juli 2008 und später nochmals am 28. Juli 2008 hingewiesen. Allerdings hat damals das einsetzende “Deleveraging” ebenfalls für einen stärkeren USD gesprochen. Die enormen Schulden stellten eine synthetische Short-Position gegen den USD dar. Konkret: Wenn ein Hedge Fund einen USD-Kredit zurück bezahlen muss, weil seine Bank einen Kredit nicht mehr verlängern will kann, muss er sich USD besorgen, um den Kredit zurück zu zahlen. Damit steigt die Nachfrage nach USD und der Preis steigt.

Trending

Die Trendwende kam nach einer längeren Bodenbildung. Man beachte im untenstehenden Chart den Zeitabschnitt von März bis Juli 2008. Und wenn der Trend einmal etabliert ist, dann… ist er etabliert. Er bleibt gültig, bis er gebrochen ist. Was hier so trivial tönt, ist für mich sehr wichtig. Gerade der USD zeichnet sich durch lange anhaltende, übergeordnete Trends aus. Ich unterscheide dann zwischen kurz-, mittel- und langfristigem Trend. Dabei stütze ich mich am liebsten auf die Analysen des Credit Suisse Technical Research. Seit mehr als zehn Jahren. Wichtig aus meiner Sicht bei der technischen Anlayse: nicht eine Formation hinein interpretieren oder herbei schwatzen. Sondern geduldig warten, bis die Bestätigung da ist.

20090328 usdindex US Dollar, whazzup?

Quelle: Stockcharts

Die Volatilität an den Devisenmärkten ist zur Zeit enorm. Die massiven Eingriffe der verschiedenen Notenbanken führen zu heftigen Ausschlägen. So hat der kurzfristige Trend im USD seit Christian’s Kommentar bereits zweimal gedreht. Verkaufsignal und ein Rückgang von 1.19 auf 1.12. Letzte Woche eine Beruhigung bis 1.14. Der langfristige Aufwärtstrend ist immer noch intakt, erst bei Kursen unter 1.09 müssten alle Positionen glatt gestellt werden.

Schlussfolgerung

Tja, das wurde ein ziemlich langer Artikel… Ich bin mit den USD-Bären einig, dass der USD grundsätzlich und langfristig zur Schwäche neigen sollte. Es sei denn, alle Papierwährungen erleiden eine Krise und sind noch schwächer. Zur Zeit ist die mittelfristige Gegenbewegung aber noch unterwegs. Und zwar bis sie aufhört…

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Christian Zenker März 29, 2009 um 12:38

Danke für die Insights!

Christian

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