Am 2.2.2009 habe ich im Artikel “Wird der Dow Jones Index manipuliert?” bereits einen detaillierten Blick auf diesen Index und die Berechnungsmethodik geworfen. Heute gibt’s noch mehr Details zu diesem wichtigsten Börsenbarometer. Du wirst staunen, garantiert!
1928 wurde die Anzahl Aktien im Dow Jones Industrial Average auf 30 erhöht. Von den damaligen 30 Unternehmen sind heute noch 9 vertreten. Die anderen 21 wurden vom Indexkommitee ausgetauscht, weil sie “unpopulär” oder zu klein wurden, weil sie mit anderen Firmen fusionierten oder weil sie die amerkanische Industrie nicht mehr gut genug repräsentierten. Dabei bewies das Indexkommitee nicht immer ein gutes Händchen. Intel und Microsoft sind heute rund 60% tiefer als zum Zeitpunkt der Indexaufnahme. Sie ersetzten u.a. Chevron, die nach der Streichung aus dem Index um 60% anstieg.
Hmm, wie gut war denn dieses Indexkommitee genau? Wieviel “Schaden haben sie angerichtet? Wie wäre es, wenn man 1928 die 30 Aktien im Index gekauft hätte und dann nichts mehr gemacht hätte? Wie vergleicht sich dies mit einer Investition in den Index (zum Beispiel via die heute so beliebten ETF’s)?
Also. Nehmen wir an, du hättest 1928 die 30 im Dow Jones Industrial Average Index enthaltenen Aktien gekauft. Tja, Bethlehem Steel ging bankrott. Du hättest heute noch Chrysler im Depot, welche 1979 durch IBM ersetzt wurden. IBM war schon früher im Index, wurde aber 1939 (vorübergehend) durch AT&T ersetzt. Die Liste aller 55 Veränderungen im Index gibt’s hier.
Von diesen ursprünglichen 30 Aktien hättest du heute noch 9 im Depot. 20 Firmen verschwanden durch Übernahmen und Fusionen, wurden durch Nachfolgefirmen ersetzt, 1 ging Pleite (wie erwähnt: Bethlehem Steel). Du hättest im obigen Chart die dunkelblaue Linie erlebt! Der Index hätte im Oktober 2007 einen Höchststand von knapp über 30’000 verzeichnet und Ende 2008 bei 14’600 notiert! Unglaublich, nicht wahr? Klar, üble Kursverluste. Aber der “richtige” Dow Jones lag zum gleichen Zeitpunkt bei 8’776! Diese Variante (nichts tun) hätte also eine jährliche Outperformance von 0.7% gebracht. Sehr viel über diesen Zeitraum.
Die Begründung: Das Indexkommitee hat oft Unternehmen aus dem Index gekippt, die “unpopulär” (und damit billig) waren und hat diese durch teure, “populäre” ersetzt. Wie zum Beispiel Intel und Microsoft.
Werfen wir einen Blick auf die weiteren Linien im Chart:
- Die unterste Linie (grau) zeigt den inflationsbereinigten Dow. Die um die Inflation bereinigte, durchschnittliche Jahresrendite für die letzten achzig Jahre liegt bei sehr mageren 1.4%. Der Indexhöchststand von 1929 wurde inflationsbereinigt erst 1992 wieder erreicht. Real hat jemand, der im August 1929 den Index gekauft hat, während den folgenden 63 Jahren also keine Kapitalgewinne erzielt, sondern “nur” Dividenden verdient. Für alle Anhänger von buy & hold: dies ist nun wirklich langfristig
- Die zweite Linie von unten (orange) zeigt den Dow Jones Index ohne Dividenden. Die durchschnittliche Jahresrendite liegt bei 4.6%.
- Die dritte Linie von unten (rot) gibt den Index inklusive Dividenden. Die Rendite steigt auf 8.9% p.a. Siehst du, wie wichtig Dividenden sind?! Wie konnte kann man sich mit Dividendenrenditen von 3%, 2% oder gar mit null Dividende zufrieden geben?
- Die hellblaue Linie ist der S&P500. Dieser Index ist gemäss Börsenkapitalisierung der einzelnen Unternehmen gewichtet und hat den Dow um 0.2% pro Jahr geschlagen. Dies ergibt eine durchschnittliche Jahresrendite von 9.1%. Keine Riesendifferenz…
Jetzt wird’s so richtig spannend:
- Die zweitoberste Linie (olive) zeigt den Verlauf der ursprünglichen 30 Dow Jones-Aktien, gewichtet nach ihrem Preis. Die Veränderungen des Indexkommitee wurden nicht berücksichtig. Änderungen im Index fanden nur statt, wenn ein Unternehmen gekauft wurde oder bankrott ging. Dies ergibt eine Rendite von 9.6% per annum. “Nur ein Unterschied von 0.7% pro Jahr im Vergleich zum offiziellen Index.” wirst du sagen. Tja, dieser kleine Unterschied führt dazu, dass du von ursprünglich $100 auf $161’603 gewachsen bist. Mit dem Original-Index sind’s “nur” $96’993.
- Es kommt noch überraschender: die oberste Linie zeigt die ursprünglichen Aktien, gleichgewichtet. Also einfach je eine Aktie von den 30 im Jahr 1928. Mit der durchschnittlichen Jahresrendite von 10.4% wären die anfänglichen $100 auf fast unglaubliche $272’554 angewachsen. Fast das dreifache des offiziellen Dow Jones.
Was bedeutet diese Analyse für uns Investoren? Wenn wir davon ausgehen, dass unpopuläre, langsam wachsende, billige Aktien immer wieder durch populäre Aktien mit guten zurückliegenden Renditezahlen ersetzt wurden, kann daraus ein starkes Argument für Value- und gegen Growth-Aktien gemacht werden. Nein, nicht “gegen” Growth-Aktien. Aber es kann festgehalten werden, dass Value-Aktien langfristig bessere Performances abwerfen als Growth-Aktien. Dies wir auch durch zahlreiche andere Studien bestätigt. Und es macht einmal mehr deutlich, dass die Bewertung zum Einstiegszeitpunkt massgeblichen Einfluss auf den Erfolg der nächsten Jahre hat. Buy & Hold ohne Rücksicht auf Bewertungen und Timing ist so was von out! In zehn Jahren wird man darüber lachen…
Quelle: Thoughts from the Frontline, John Mauldin, 3.4.2009










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Bevor man einen Index kauft, sollte man sich schon auch ein wenig damit befassen, was dieser Index enthält und auf welchen Kriterien die Titelgewichtung basiert. Leider ist der Dow von den bekannten Indizes der wohl ungeeignetste um ein US-Aktienexposure im Portfolio aufzubauen, da er den US-Markt mit nur 30 Titeln schlecht wiederspiegelt und preisgewichtet ist (1896 wusste man es wohl noch nicht besser). Auch hat ein Kommitte bei der Indexzusammenstellung nichts verloren – sobald der Index von Menschenhand verändert wird, handelt es sich streng genommen gar nicht mehr um einen passiven Index, sondern um einen aktiv gemanagten Fond. Die stur regelbasierten und nach Marktkapitalisierung gewichtenen Indizes S&P 500, sowie Wilshire 5000 eignen sich dementsprechend viel besser, um den US-Markt abzudecken.
Natürlich hat der Einstiegszeitpunkt einen Einfluss – das Problem ist jedoch nach wie vor, dass niemand den richtigen Zeitpunkt findet. Zumal man immer zweimal richtig timen müsste (Ein- und Ausstieg), ist es längerfristig kaum möglich, den Index via Markettiming zu schlagen. Die meisten aktiven Investoren erzielen im Vergleich zum Index längerfristig eine klägliche Rendite (siehe z.B. Equity Ownership Studie des Swiss Banking Institutes). Regelbasiertes Re-balancing im Portfoliokontext bringt meines Erachtens langfristig die besten Renditen. Ok, wenn jemand nach einem 10-jährigen Bullenmarkt entscheidet, seine Aktienquote von 60% auf 40% zu senken, ist das noch einigermassen nachvollziehbar…aber wer sagt mir, dass der Bullenmarkt nicht noch weitere 5 Jahre andauert?