Börsenprognosen mit Google Trends?

by rwilli on 18. Mai 2009

Im März habe ich über eine interessante Analyse von Standard Charterd berichtet. Es ging darum, Aktien-Suchbegriffe aus Google Trends mit der effektiven Wertentwicklung an der Börse zu vergleichen.

Die Idee ist faszinierend. Dank Google Trends erhält man Hinweise, wonach Investoren gerade suchen, was sie beschäftigt oder wie bullish oder bearish sie sind. Und da der Herdentrieb an der Börse immer wieder zur Erklärung von Marktereignissen zitiert wird, lassen sich aus Google Trends auch Schlüsse für den Anleger ziehen. So jedenfalls meine Überlegung.

Nun habe ich dieses Gedankenspiel einmal auf Gold angewendet. Und siehe da, die Analyse bringt erstaunliche Fakten zum Vorschein.

20090518 googletrends sellgold2 Börsenprognosen mit Google Trends?

Google Trends: "Sell Gold"

Vor der eigentlichen Analyse aber ein paar Vorbemerkungen:

  • Google Trends und die Analyse damit stecken noch in den Kinderschuhen. Es geht hier um interessante Denkanstösse und nicht um konkrete Prognosen.
  • Nach einigem Ausprobieren bin ich zur Überzeugung gelangt, dass nur englische Suchbegriffe Hinweise auf die Börse geben können. Zwar liefern deutsche Suchbegriffe (“Gold kaufen”) ähnliche Charts, es wäre aber vermessen, daraus auf eine weltweite Börsenentwicklung zu schliessen.
  • Ich habe festgestellt, dass nur “extreme” Ausschläge interessante Ergebnisse liefern. Oft hielten sich gegenläufige Begriffe (“Buy Gold” und “Sell Gold”) die Waage.

Nun aber zur Analyse. Die erste Grafik zeigt die Häufigkeit des Suchbegriffs “Sell Gold” auf Google vom 1.1.2008 bis heute. Auffällig, wie häufig im März 2008 plötzlich nach diesem Begriff gesucht wurde.

20090518 googletrends buygold2 Börsenprognosen mit Google Trends?

Google Trends: "Buy Gold"

Die zweite Grafik stellt die Häufigkeit des Suchbegriffs “Buy Gold” auf Google dar. Gleicher Zeitraum wie in Grafik 1. Es fallen einige Ausschläge auf. Am deutlichsten ist die Zunahme der Suchen im Oktober 2008.

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Goldpreis in $/Unze (6.1.08 - 15.5.09) - Quelle: stockcharts.com

Die dritte Grafik ist quasi der “Reality Check”. Hier wir die Entwicklung des Goldpreises dargestellt, ebenfalls vom 1.1.08 bis heute. Tatsächlich verzeichnete der Goldpreis in $/Unze genau zu dem Zeitpunkt einen (vorübergehenden) Höchststand, als auch die Suche nach “Sell Gold” auffällig hoch war. Der Kurs lag zu diesem Zeitpunkt bei $931.30. Auch der Tiefstpunkt in diesem Zeitraum stimmt genau mit einem Extrempunkt bei Google Trends überein. Im Herbst 2008, bei einem Goldpreis von $705 wurden am meisten Suchen nach “Buy Gold” verzeichnet. Es wäre eine gute Einstiegsgelegenheit gewesen.

Wirklich spannend, dieser Vergleich. Ich habe nach weiteren, ähnlichen Signalen bei Aktien oder Währungen gesucht, bisher aber noch keine gefunden. Man findet oft auffällig viele “gegenläufige” Suchbegriffe. Zum Beispiel sehr viele gleichzeitige Suchen nach “Aktien kaufen” und “Aktien verkaufen”. Dies deutet allenfalls auf erhöhte Volatilität an den Märkten hin. Also auf eine bevorstehende Phase mit grossen Kursbewegungen, wobei die Richtung nicht klar ist.

Zum Schluss muss ich natürlich noch erwähnen, dass ich gerade in diesem Gold-Beispiel nicht nach den Signalen von Google Trends gehandelt hätte. Gold ist in einem langfristigen Aufwärtstrend. In solchen Bullenmärkten kauft man und lässt es liegen. Buy and hold. Wer in Gold zuviel handelt und Markttiming betreibt, wird die grossen Aufwärtsbewegungen wahrscheinlich verpassen.

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