Ein Grossteil der Aufmerksamkeit galt in den letzten zwei Wochen den Bondmärkten. Was sich weltweit bei Renditen und Obligationenpreisen ereignet hat, ist wichtig und sollte verstanden werden. Es kann den zukünftigen Verlauf der Wirtschaft massgeblich beeinflussen.
Die erste Grafik zeigt die Rendite 10jähriger US-Staatsanleihen seit anfangs Jahr. Vom Tiefststand Mitte Januar bei 2.23% sind die Renditen bis fast 4% geklettert. Diese Entwicklung allein würde einen Ausdruck wie “Bond Crash” rechtfertigen. Ganz unten sieht man die durch diesen Renditeanstieg verursachte Performance. Seit anfangs Jahr haben Inhaber von US-Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit einen Verlust von mehr als -8% erleiden müssen. Ironischerweise haben Investoren, welche im Spätherbst 2008 aus Angst vor der Finanzkrise die Sicherheit von Staatsanleihen gesucht haben, erneut Geld verloren.
Ganz anders sieht es bei US-Staatsanleihen mit 2jähriger Laufzeit aus.
Die gleiche Grafik zeigt, dass der Zinsanstieg “am kurzen Ende”, also bei kurzen Laufzeiten, deutlich geringer ausgefallen ist. Zwar sind die Sätze in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen. Der Performance-Chart unten zeigt aber, dass mit 2jährigen US-Staatsanleihen “nur” -1.25% Verlust entstanden ist. Dies im Vergleich zu mehr als -8% bei den zehnjärigen.
Heftigere Zinsanstiege bei langen Laufzeiten im Vergleich zu kurzen Laufzeiten bedeutet eine steilere Zinskurve! Und diesbezüglich sind wir auf Rekord-Niveau. Die dritte Grafik (Quelle: Calculated Risk) zeigt die Differenz zwischen der zehnjährigen und der zweijährigen Rendite. Je grösser die Differenz, desto steiler die Zinskurve. Die aktuelle Differenz von 275bp (Basispunkte, 2.75%) ist so gross wie noch nie. Der alte Rekord stammt vom 13.8.2003 und liegt bei 274bp.
Was bedeutet eine so steile Zinskure und wie lässt sie sich interpretieren?
- Grundsätzlich ist eine steile Zinskurve gut fürs Bankengeschäft. Wenn eine Bank durch Fristentransformation Kredite längerfristiger gewährt als sie das Geld aufnimmt, erzielt sie eine grössere Zinsdifferenz und damit mehr Gewinn. Die steile Zinskurve kann u.U. den angeschlagenen Banken helfen, die Gewinne zu steigern und die Eigenkapitaldecke wieder aufzubauen.
- Die hohen Zinssätze im 10jährigen Bereich deuten darauf hin, dass “der Markt” glaubt, dass es dem Fed nicht gelingen wird, das enorme Defizit zu den aktuellen Zinssätzen zu finanzieren. Wenn die USA solche (Un)Mengen an Geld auftreiben wollen, müssen sie den Investoren deutlich höhere Zinsen offerieren.
- Die hohe Rendite für Staatsanleihen färbt natürlich auch auf Hypothekarzinssätze mit langen Laufzeiten ab. Dies beeinträchtigt den Effort der USA, Hypo-Zinsen tief zu halten um den in Schwierigkeiten steckenden Häuserbesitzer die Finanzierung zu vereinfachen ermöglichen.
- Der Markt nimmt hier sicher auch höhere zukünftige Inflationsraten vorneweg. Dies kann direkt aus TIPS (siehe “TIPS und Inflationserwartungen“) herausgelesen werden. Die Inflationserwartungen liegen heute deutlich höher als anfangs Jahr.
Eine generelle Zinserhöhung und eine so steile Zinskurve könnten die sich langsam stabilisierende Wirtschaft wieder arg in Bedrängnis bringen. Es besteht die Gefahr, dass auf ein paar Quartale mit mässigem Wachstum bereits die nächste Rezession folgt. Die hohen Zinsen machen den Zinsendienst auf den enormen Beträgen zur Bekämpfung der Finanzkrise viel teurer und verhindert neue Investitionen im privaten Sektor. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Markt hier wieder beruhigt oder ob wir es mit dem Ende der Tiefzinsphase zu tun haben.












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