Die historisch steile Zinskurve im US-Dollar sowie die ebenfalls sehr steilen Zinskurven in EUR und CHF sprechen eine recht deutliche Sprache. Der Markt zweifelt, ob die enormen Budgetdefizite der Staaten zu den aktuellen, immer noch tiefen Zinssätzen finanziert werden können. Wenn z.B. die USA Investoren finden wollen, welche ihnen mehrere Billionen (engl. trillions) zur Verfügung stellen, müssen sie deutlich attraktivere Renditen bieten. Steigende Langfristzinsen und Inflation warten “gleich um die Ecke”.
Wie kann sich ein Investor vor Inflation schützen? Hier eine kurze, sehr einfach gehaltene Übersicht:
- Inflationsgeschützte Anleihen
Diese Art von Anleihen bietet vollumfänglichen Schutz gegen die zum Zeitpunkt des Kaufs erwartete Inflation. Dabei wird entweder der Nominalbetrag in regelmässigen Abständen an einen Teuerungsindex angepasst oder die Verzinsung wird um die aktuelle Inflationsrate erhöht. Inflationsgeschützte Staatsanleihen wurden auf financeBLOG schon mehrfach erklärt, z.B. hier, hier und hier. - Anleihen mit kurzen Laufzeiten
Kurze Laufzeiten bei Obligationen oder eben eine kurze Duration in einem Obligationenportfolio bieten ebenfalls einen “anständigen” Schutz gegen Inflation. Die Idee ist simpel: Anleihen werden rasch wieder fällig, das zurück bezahlte Kapital kann zu den (wegen hoher Inflation) höheren Zinsen wieder angelegt werden. - Physisches Gold
Gold mit seinem “intrinsischen” Wert wird allgemein ein sehr guter, umfassender Inflationsschutz nachgesagt. Die Argumentation weist oft auf Gold als Währung seit 5000 Jahren hin, Gold wird als Gegenpol zu Papierwährungen ohne eigentlichen “intrinsischen” Wert betrachtet. Oft liest man heutzutage, dass der Goldpreis längst bei $2500 liegen könnte. Dann nämlich, wenn man den Höchststand des letzten Bullmarkets (1980: $850) an die Entwicklung des Konsumentenpreisindex (CPI) angleicht. Tja, wenn Gold heute bei $955 handelt und inflationsbereinigt bei $2500 sein müsste, kann es mit dem Inlationsschutz nicht so weit her sein… Es gilt aber, dass der Goldpreis in Krisenzeiten und höherer erwarteter Inflation üblicherweise zulegt. - Immobilien
Wer Immobilien besitzt, wird die Teuerung mit einer gewissen Verzögerung auf die Mieter überwälzen können. Deshalb wird auch Investitionen in Immobilien ein guter Schutz gegen Inflation attestiert. Allerdings müssen Investoren bei diesem Thema vorsichtig sein. Diese Überlegung zählt sicher für Direktanlagen in Immobilien. Tätigt man Investitionen in kollektive Anlagevehikel (Fonds, Immo-AG, Baskets), kann es sehr schnell Preisverzerrungen und grössere Schwankungen geben. So haben zahlreiche Investoren gerade im letzten Jahr fest gestellt, dass sich ihr Engagement in europäische Immobilien eher wie ausländische Aktien statt wie inländische Immobilien verhalten hat. - Rohstoffe
Rohstoffe bieten einen “mässigen” Schutz gegen Inflation. Man geht davon aus, dass die Preise für Rohstoffe in inflationären Phasen zulegen und (unter anderem) darum jedem Portfolio beigemischt werden sollten. Allerdings wird bei diesem Argument nicht berücksichtigt, dass Inflation ein monetäres Phänomen ist, dass also die Ausweitung der Geldmenge am Ursprung steht und nicht höhere Preise für Öl, Weizen oder Rindfleisch. - Aktien
Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalquote und hohen Cash Flows bieten ebenfalls Schutz vor der Geldentwertung. Oder Firmen, welche direkt im Besitz von realen Vermögen sind. Aber nur solche Unternehmen. Allgemein haben die Aktienmärkte in Phasen erhöhter Inflation jeweils eine sehr schlechte Performance erzielt.
Achtung: Dies ist “aus aktuellem Anlass” eine einfache (aber gute…) Übersicht zum Inflationsschutz. Die aufgeführten Tipps wurden nur oberflächlich erklärt und bedürfen einer vertieften Analyse durch den Anleger. Weiter weisen die sechs Punkte unterschiedlichen Schutz gegen Geldentwertung auf. Vom (fast) vollständigen Schutz von TIPS bis zum eher mässigen Schutz von Aktien. Je nach Interesse und Reaktionen werde ich den einen oder anderen Punkt nochmals etwas detaillierter aufnehmen.








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Danke sehr informativer Beitrag. Bin bis jetzt nur in Aktien und Rohstoff, werde mich in den anderen Bereichen noch einlesen. Danke für den Wegweiser
@Gomez
Hey Gomez, danke für deinen Kommentar! Wenn du Aktien und Commodities bereits abgedeckt hast, solltest du dir als nächstes die Obligationen/Renten etwas genauer ansehen. Sind aufgrund der sehr steilen Zinskurve zur Zeit auch wieder interessant. Mehr dazu übrigens im Post vom Montag. Keep it up!
Ich bin seit Monaten begeisterter Leser Deines Blogs und interessiere mich besonders für Inflationsschutz. Also erstmal (wieder) vielen Dank für Deine Arbeit!
Trotzdem möchte ich Dich auf eine Formulierung hinweisen, die wohl einen grammatikalischen oder logischen Fehler enthält:
Du schreibst oben:
“Diese Art von Anleihen bietet vollumfänglichen Schutz gegen die zum Zeitpunkt des Kaufs erwartete Inflation.”
Dieser Satz kann doch nicht stimmen. Man bekommt doch einen Schutz gegen die tatsächlich eintretende Inflation (nicht gegen die erwatete)
VG Stefan
@stefan
Korrekt. Inflationsindexierte Anleihen sind ein Schutz gegen die tatsächliche Inflation.
Leider sind diese für CHF Anleger nutzlos, da die Eidgenossenschaft keine solchen Anleihen ausgibt. Für EUR, USD, oder GBP Anleger aber eine tolle Sache.
@stefan @christian
Eure beiden Kommentare sind so gut, dass ich gleich einen separaten Artikel als Antwort schreiben werde. Hoffe, ich komme noch diese Woche dazu, das financeBLOG ist ja nur “mein kleines Hobby”…
Soviel vorneweg: es zählt der Einstiegszeitpunkt! Wer HEUTE eine inflationsgeschützte Anleihe kauft, bezahlt HEUTE einen Preis, welcher sich aus Realrendite + ERWARTETER Inflation zusammen setzt. Man muss ja heute Schätzen, um wieviel der Coupon oder der Nominalbetrag beim nächsten Stichtag angepasst wird.
Mehr dazu wie gesagt später. Dranbleiben! Und nochmals: THANX!