Inflationsgeschützte Anleihen im Detail

by rwilli on 24. Juni 2009

Am Dienstag habe ich für meinen Artikel “6 Tipps zum Schutz vor Inflation” zwei sehr interessante Kommentare bekommen. Sie treffen die heikle Stelle von Anleihen mit Inflationsschutz auf den Punkt und ich mache darum aus der Antwort einen separaten Artikel. Hier die beiden Kommentare:

Stefan: “(…) Trotzdem möchte ich Dich auf eine Formulierung hinweisen, die wohl einen grammatikalischen oder logischen Fehler enthält:

Du schreibst oben:

“Diese Art von Anleihen bietet vollumfänglichen Schutz gegen die zum Zeitpunkt des Kaufs erwartete Inflation.”

Dieser Satz kann doch nicht stimmen. Man bekommt doch einen Schutz gegen die tatsächlich eintretende Inflation (nicht gegen die erwatete).”

Christian: “Korrekt. Inflationsindexierte Anleihen sind ein Schutz gegen die tatsächliche Inflation.

Leider sind diese für CHF Anleger nutzlos, da die Eidgenossenschaft keine solchen Anleihen ausgibt. Für EUR, USD, oder GBP Anleger aber eine tolle Sache.”

Hey, herzlichen Dank euch beiden für die so genaue Auseinandersetzung mit den Inhalten auf financeBLOG. Solche Kommentare sind sehr wertvoll und freuen mich sehr!

Sehen wir uns nun die Sache einmal im Detail an:

Wenn man das Instrument der inflationsgeschützten Anleihen betrachtet, stimmt die Aussage von Stefan. Mit TIPS (Treasury Inflation Protected Securities) bekommt man eine Anleihe, bei welcher regelmässig (normalerweise halbjährlich) der Nominalbetrag oder der Coupon an die gemessene Inflation (gemäss CPI Consumer Price Index) angepasst wird. Wenn ich eine solche Anleihe kaufen will, muss ich aber wissen, wie sich der Preis zusammen setzt.


20090625 treasuries Inflationsgeschützte Anleihen im Detail

Dieses Bild (klicken für volle Grösse, Quelle: Bloomberg) zeigt die Situation am Markt für US-Staatsanleihen am 23.6.09, 21:04 Uhr. Wir können folgende Daten heraus lesen:

  Normal TIPS
Schuldner USA USA
Laufzeit 15.05.2019 15.01.2019
Coupon 3.125% 2.125%
Rendite 3.63% 1.78%

Jetzt kann ich die erwartete Inflation herauslesen:
Nominalrendite 3.63%
- Realrendite 1.78%
= erwartete Inflation 1.85%

Die 1.85% werden auch “Fisher Rate” genannt. Wenn ich heute also diese TIPS-Anleihe kaufe, erhalte ich einen Inflationsschutz von 1.85% pro Jahr während den nächsten zehn Jahren. Steigt die erwartete Inflation (Fisher Rate) weiter an, erziele ich mit diesen TIPS zusätzliche Kursgwinne. (Dies hat mich im Januar zum Artikel “Bei den TIPS sieht’s nach Schnäppchen aus” verleitet. Damals lag die Fisher Rate übrigens bei 0.77%, war eine gute Trading-Empfehlung…)

Noch eine andere Formulierung: Wenn in den nächsten zehn Jahren die Inflation – gemessen am CPI – im Durchschnitt 1.85% pro Jahr beträgt, bin ich vollumfänglich gegen Inflation geschützt. Darum wird neben “Fisher Rate” oft auch der Begriff “Break even inflation” genannt.

Fazit:
Die Aussagen in den Kommentaren und mein Beschrieb sind richtig! Ein “allgemeiner” Beschrieb des Instruments TIPS hält fest, dass man damit Inflationsschutz, gemessen am CPI erhält. Wenn ich aber so ein Instrument kaufe, muss ich mir eine Meinung Bilden zur erwarteten Inflation im Zeitpunkt des Kaufs. Ich kann ja heute nicht wissen, zu welchem CPI-Stand die Anpassung dereinst erfolgt. Schlussendlich stimmt es, dass es für CHF-Obligationen keine inflationsgeschützte Anleihen gibt. Wäre eine Marktlücke…

@Stefan @Christian: für diesen Extra-Service schuldet ihr mir ein paar weitere Kommentare… ;-)

Diesen Artikel empfehlen oder drucken:
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Technorati
  • del.icio.us
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • email
  • Print

{ 5 comments… read them below or add one }

Christian Juni 25, 2009 um 16:18

Kommt sogleich :)
Besten Dank für die Präzisierung. Gemäss meinen Recherchen werden von der Eidgenossenschaft momentan keine inflationsindexierte Anleihen geplant, da das Volumen schlicht zu klein wäre. Hier der Artikel dazu:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/boersen_und_maerkte/die_investoren_suchen_kaum_inflationsschutz_1.745177.html

Für CHF Investoren haben einige Gesellschaften Fonds aufgelegt, welche in inflationsindexierte Euro Anleihen investieren und dann die Währung in CHF absichern. Ich frage mich allerdings, ob bei den Kosten für die Absicherung und der generell (zu) hohen Managementgebühr dieser Fonds eine Investition in diese Anlageklasse noch Sinn macht. Die Kosten übersteigen schnell mal die Inflation!

stefan Juli 7, 2009 um 01:45

@Christian:
Warum findest Du inflationsgeschützte Anleihen für Eidgenossen nutzlos? Wenn Du den Emitenten vertraust, sollte es doch eigentlich keinen Unterschied machen, in welcher Währung die Anleihen notieren. Ich selber würde auch genauso gerne TIPS kaufen, wenn die Rendite höher wäre und ich den Amis mehr vertrauen würde.

Christian Juli 7, 2009 um 20:51

@stefan:
Ein Inflationsschutz nützt mir ja nur in der Währung in der ich auch meine zukünftigen Ausgaben tätige. Da der grösste Teil meiner Ausgaben vermutlich auch in Zukunft nicht in USD oder EUR getätigt werden, bieten mir z.B. TIPS keinen Schutz gegen “meine” Inflation. Nach meiner Meinung machen Obligationeninvestments in Fremdwährungen generell keinen Sinn, da die Währungsschwankungen sehr schnell die relativ kleinen erwartete Rendite von Anleihen auswischen. Im Portfoliokontext sollte man Staatsanleihen als defensive Anlageklasse anschauen, die als Abfederung gegen Krisen dient bzw. die Volatilität im Portfolio senkt.
Bei Aktieninvestitionen nimmt man hingegen bewusst das Währungsrisiko in Kauf, da die erwartete Rendite viel höher ausfällt als bei Anleihen und man so über viele Märkte diversifizieren kann.

Für CHF Investoren sind TIPS somit kein Inflationsschutz sondern eine Spekulation auf einen steigenden Dollarkurs.

heiner Februar 26, 2010 um 21:21

Nachteil der Infla-Anleihen:
Nur die geschönten statistischen Inflaraten werden herangezogen.
In Wirklichkeit sind diese doch weit höher (siehe USA)
Und einen Schutz gegen Bankrott haben sie schon gar nicht.

rwilli Februar 27, 2010 um 14:41

Naja, das müsste man genauer betrachten. Wer TIPS kauft, bezahlt mit dem Preis auch seine Inflationserwartung. Und es kann ja sein, dass der “rationale Investor” hier die Differenz zwischen echter Inflation und CPI ebenfalls mit einpreist.

Den “Schutz gegen Bankrott” hat man nie vollumfänglich. Auch wenn die meisten inflationsgeschützten Anleihen von Staaten ausgegeben sind. Hier helfen nur noch CDS.

Danke für deinen Kommentar, hat mich zum nachdenken gebracht…

Leave a Comment

Previous post:

Next post: