Welcher Teufel hat denn die schwedische Zentralbank geritten?

by rwilli on 6. Juli 2009

Die Riksbank, die schwedische Zentralbank hat letzte Woche die Zinsen gesenkt. Genauer gesagt wurde der Repo-Satz (Repo Rate) um 0.25% auf 0.25% gesenkt. Dies in der Meinung, noch billigeres Geld führe zu einer Stabilisierung der Wirtschaft, nachdem die Rezession in Schweden viel härter ausfällt als zuvor geschätzt. Die Riksbank geht heute von einem Rückgang des BIP von -5,4% in diesem Jahr  aus.

20090707 sweden Welcher Teufel hat denn die schwedische Zentralbank geritten?

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Gleichzeitig wurde per 8. Juli 2009 aber auch die Deposit Rate um 0.25% gesenkt. Und liegt damit im negativen Bereich! Was soll das?

Die Riksbank hat damit eine Geldmaschine für Geschäftsbanken kreiert. Banken können bei ihr soviel Geld holen, wie sie wollen. Fast gratis. Sie sollen das Geld aber keinesfalls wieder bei der Zentralbank anlegen, sondern in Form von Krediten an Unternehmen oder andere Geschäftsbanken in Umlauf bringen. Dies hat aber einen Haken.

Mit negativen Deposit Rates werden vor allem die Sparer bestraft. Und dies in einer Zeit, in der die Konsumenten wieder ein Minimum des Einkommens sparen. Nachdem sie jahrelang über ihren Verhältnissen gelebt und Dinge gekauft haben, die sie sich nicht leisten können. Und damit notabene die Preise von Vermögenswerten (z.B. Immobilien, Rohstoffe) in ungeahnte Höhen trieben. Auch wenn’s kurzfristig schmerzhaft ist, so machen die neuen Ersparnisse langfristig sehr viel Sinn. Unverständlich, dass die schwedische Zentralbank hier so aggressiv eingreift.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht weitere Zentralbanken dieser schlechten Idee folgen.

Daten: Sveriges Riksbank, eigene Darstellung

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{ 6 comments… read them below or add one }

Beobachter Juli 6, 2009 um 12:27

Hallo!
Eine Frage zum besseren Verständnis der schwedischen Zentralbank:
Was genau ist der Unterschied zwischen Deposit Rate, Lending Rate und Repo Rate?

Weiterhin verfolge ich den Blog mit großer Aufmerksamkeit, vielen Dank!

MfG

rwilli Juli 6, 2009 um 19:37

@Beobachter
Eine Geschäftsbank kann bei der Zentralbank zum Zinssatz der “lending rate” Geld ohne weitere Sicherheiten (blanko) aufnehmen. Wenn sie für den Kredit Sicherheiten hinterlegt (sog. repofähige Assets), bekommt sie das Geld zur tieferen, billigeren “repo rate”. Wenn sie Geld bei der Zentralbank anlegen will, erhält sie die “deposit rate”. Dies führt zur aktuellen Situation in Schweden: “Hier, liebe Geschäftsbank. Du kannst bei mir (Zentralbank) soviel Geld haben, wie du willst. Aber du wirst bezahlen (negative Zinsen), wenn du es bei mir anlegst, statt es in Form von Krediten weiterzugeben.”

Die ganzen Vorgänge im Interbankengeschäft habe ich lezten November (sehr gut…) in diesem Artikel beschrieben ;-)
http://www.financeblog.ch/2008/11/17/libor-und-ted-spread-was-ist-los/

Beobachter Juli 6, 2009 um 20:09

Vielen Dank für die schnelle Antwort und die super Erklärung.

rwilli Juli 6, 2009 um 20:15

@Beobachter
Gerne. Anytime.

Ulfo Juli 7, 2009 um 12:12

Na endlich wird mal jemand aktiv und reisst die Mauer in den Köpfen ein. Gregory Mankiw hatte das Thema ja dieses Jahr nochmal aufgefrischt und einiges Aufsehen erregt. Dabei ist die Grundidee von Silvio Gesell schon 103 jahre alt. Willem Buiter hat IMHO im Moment die beste Idee, wie man eine Umlaufsicherung ohne große Einschnitte auch beim Bargeld umsetzen könnte: http://blogs.ft.com/maverecon/

Weiss-nicht-viel September 5, 2009 um 13:01

Ich weiß mit Sicherheit nicht viel, halte aber insbesondere dann meine Klappe, wenn ich zu wenig weiß. Das würden Sie besser auch tun. In der Reichsbank sitzen garantiert schlauere Leute als Sie es sind. Der negative Zinssatz auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der Riksbank soll bewirken, dass das Geld endlich wieder nicht nur (von den Geschäftsbanken) gehortet wird sondern als Darlehen bei denen ankommt, die es dringend brauchen; nämlich bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Wo sind hier die Sparer die Dummen? Kein (Klein-)Sparer legt bei der Riksbank direkt an (oder?) und ob man mickrige 2 oder nur noch 1,5% (oder noch weniger) bekommt ist in Relation zu den Wucher-Zinsen und Ziel-Renditen der Geschäftsbanken ziemlich ‘wurscht’.

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