Faszinierender 17,6 Jahres-Zyklus

by rwilli on 20. Juli 2009

Cycles werden an der Börse oft erwähnt. Seien es regelmässige Jahreszahlen, Fibonacci-Zyklen oder Mond-Zyklen, immer wieder trifft man in Interviews oder Börsenbriefen auf “Cycles“. Ich habe ein eher gespaltenes Verhältnis zu Börsenzyklen und zitiere diesbezüglich gerne Richard Russel: “Börsenzyklen sind sehr interessant. Aber sie sind nie da, wenn du sie brauchst…”

20090720 Cycles Faszinierender 17,6 Jahres Zyklus

(Bild klicken für volle Grösse)

Letzthin bin ich aber auf ein ganz spannendes, eindrückliches Exemplar gestossen: Der 17,6-Jahres-Zyklus. Er verdient definitiv eine genauere Betrachtung:

Viele Trader sprechen allgemein vom “Zirka 18-Jahres-Zyklus”. Genau genommen geht’s um einen Zyklus von 17 Jahren und 7 Monaten. In Dezimalen ausgedrückt: 17,6 Jahre. Die Kernaussage dieses Zyklus: Es gibt lange Phasen, in denen es einfach ist, an der Börse Geld zu verdienen. “Easy times to make money”. Spontan kommt mir Buy-and-Hold in den Sinn… Diese Phasen werden abgewechselt von Phasen, die viel mehr harte Arbeit verlangen, um das Geld an der Börse vermehren zu können. Jeder kleine Börsenerfolg muss hartnäckig gesucht und jedes Prozentpünktchen hart erarbeitet werden.

Hier die Anwendung in der Praxis:

  • Als Ausgangspunkt wird der Februar 2000 gewählt. Das Ende der New Economy- und DotCom-Blase. In Dezimalen: 2000,2.
  • Wenn man davon den 17,6-Zyklus subtrahiert landet man bei 1982,6, also im Juli 1982. Der Dow Jones war damals bei rund 900. Von 900 auf 14’000: easy times to make money.
  • Die erneute Subtraktion bringt uns in den Januar 1965. Der Dow Jones steht bei rund 900. Genau wie im Juli 1982. Netto also keine Kursgewinne aber viele Rallys und Korrekturen, Trendwenden und falsche Ausbrüche. Jeder an der Börse verdiente Prozentpunkt musst hart erarbeitet werden.
  • Nochmals werden 17,6 Jahre subtrahiert. Wir befinden uns nun im Mai 1947. Der 2. Weltkrieg ist vorbei. Der Dow Jones steht bei 170. Es stehen wirtschaftlich interessante Zeiten bevor mit unzähligen Opportunitäten. Man wird später von den “Nifty Fifties” erzählen. Es wird bis im Januar 1965 einfach sein, mit einer Buy-and-Hold-Stratgie an der Börse Geld zuverdienen.
  • Die letzte Subratkion von 17,6 Jahren bringt uns in den September 1929. Der Dow Jones ist auf einem Stand von 350 Punkten. Am Ende dieses Zyklus – darin enthalten die Great Depression – wird der Index bei 170 stehen. Nicht einfach, in einer solchen Phase Geld zu verdienen an der Börse.

Sollte dieser Zyklus seine Gültigkeit bewahren, stehen uns weitere magere Jahre bevor. Mit einer Buy-and-Hold-Strategie wird man demnach in nächster Zeit “keinen Blumentopf” gewinnen. Es geht darum, näher an die Finanzmärkte heran zu gehen, Chancen zu identifizieren und auszunutzen. Bei Erfolg die Gewinne absichern oder mitnehmen. Chancen wie kürzlich bei den TIPS, Unternehmensanleihen, im US-Dollar, beim Gold, bei Bear Market Rallys…

(Quellen: The Big Picture, Chart: Stockcharts, eigene Ergänzungen)

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Christoph Juli 22, 2009 um 20:47

Hallo rwilli!

Ich finde Deinen Blog richtig Klasse und rate Dir die Pflichtfelder “Name” und “E-Mail” beim Kommentareingabefeld zu entfernen oder diese evtl. als Option einzurichten. Ich bin sicher, dass Du dann in Zukunft wesentlich mehr Kommentare erhalten wirst. Verdient hättest Du’s!

Aber jetzt in medias res:

Spinnen wir den Zyklus mal weiter in die Vergangenheit:

Dann landen wir im Februar 1912. Der Dow steht bei 59. Und der Zyklus behält seine Gültigkeit. Bis September 1929 geht’s ja steil bergauf.

Aber: Wenn wir noch weiter in Vergangenheit in den Juli 1894 reisen, so steht der Dow bei 30. Und ein ca. 100%-Plus bis 1912 ist ja wirklich nicht übel.

Das bedeutet dann leider, dass die 17,6 Jahre-Zyklentheorie falsifiziert ist und wir Börsianer weiter nach dem Stein der Weisen bzw. der Formel zu unvorstellbarem Reichtum suchen müssen.

Trotzdem vielen Dank für solche Artikel, die zum Nachdenken anregen!

Gruß

Christoph
von
Bavaria-for-Ron-Paul

rwilli Juli 22, 2009 um 22:02

@Christoph
Hey, vielen Dank für deinen Kommentar, freut mich sehr! Habe die Pflichtfelder Name und E-Mail bereits “entfernt”. Bin gespannt, was passiert. Bis jetzt hatte ich Angst, zugespamt zu werden.

Deine Verfolgung des Zyklus in die Vergangenheit ist sehr interessant! Immerhin kann noch ein weiterer Zyklus angehängt werden. Aber es wäre natürlich zu einfach, wenn nicht irgendwo ein “Bruch” auftreten würde. Suchen wir weiter und nehmen den Denkanstoss mit.

Broker Juli 23, 2009 um 11:18

Also ist noch 8 Jahre Ebbe? Das ist ja uebel. Dieser Zyklus ist wirklich bemerkenswert. Wenn ich das richtig sehe, gilt der erst seit Einfuehrung der US Zentralbank, interessant.

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