Finanzkrise: DAS SYMBOL

by rwilli on 29. Juli 2009

Sieh’ dir einmal diese Bilder an. Ich bin sicher, du erahnst, was jetzt kommt…

Das Wall Street Journal hat sich auf die Suche nach den Ursachen der Finanzkrise gemacht. Und ist fündig geworden. An diesem Beispiel kann exemplarisch dargestellt werden, was sich in den Jahren vor der Subprime-Krise zugetragen hat.

20090727 Symbol Finanzkrise: DAS SYMBOL
Avondale, Arizona – $103’000

Dieses nette Holzhäuschen in Avondale, Arizona, USA wurde vom Schätzer von Integrity Funding LLC auf einen Wert von $132’000 eigeschätzt. Nun ja, hat ja schliesslich auch zwei Räume mit total 50 Quadratmeter Fläche. Man blieb beim örtlichen Kreditgeber Integrity Funding LLC (nomen est nicht immer omen…) aber zurückhaltend und konservativ und hat im Frühjahr 2007 auf dieser Holzhütte “nur” eine Hypothek von $103’000 gesprochen. Die Besitzerin dieses schmucken Häuschens heisst übrigens Marvene Halterman. Sie ist arbeitslos und hatte auch eine lange Liste von Gläubigern, die erfolglos hinter ihr her waren. Marvene war zu diesem Zeitpunkt 61 Jahre alt und mittellos. Subprime eben.

Wie ging’s weiter?

Nun, zuerst kassierte der Kreditvermittler natürlich seine sauer verdienten Räpplein, $10’000 genau gesagt. Der Kredit wurde an Wells Fargo weitergereicht, welche sich ebenfalls mit einer Provision von einigen Tausend Dollar erkenntlich zeigten.

20090727 Symbol2 Finanzkrise: DAS SYMBOL
…und hier der nette Innenhof

Laut den Recherchen des Wall Street Journal reichte Wells Fargo den Kredit an HSBC London weiter. Dort wurde diese Hypothek mit weiteren 4’050 Hypotheken gemischt. 85% dieser 4’050 Hypotheken wurden von Schuldner mit derselben Bonität wie Marvene Halterman aufgenommen.

Dies interessiert im fernen London bei der HSBC aber niemanden mehr, zumal die Ratingagentur Standard&Poors grosszügig das Paket mit den 4’050 Hypotheken als AAA einstufte. S&P wollte gegenüber dem Wall Street Journal übringens zu diesem Fall nicht Stellung nehmen. Genau wie HSBC auch nicht… Dieses Paket wurde verbrieft und an die Finanzmärkte weitergereicht, wo es irgendwo in einem Portfolio einer Bank, eines Pensionsfonds oder eines Hedge Fonds gelandet ist.

Mittlerweile wurde bei 25% der Hypotheken in diesem Produkt eine Zwangsvollstreckung durchgeführt. Unser Beispiel, die Holzhütte in Arizona mit einem Wert von $132’000 wurde vom Nachbar für $15’000 gekauft… und abgerissen.

Quelle: Wall Street Journal

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Kamer Oktober 22, 2009 um 19:12

danke

Peter Schneider Oktober 9, 2010 um 13:27

ha ha, und bei uns predigen die Banken absolute Risikokontrolle und vielen Willigen bleibt das Haus versagt. Hintendurch kaufen sie sich dann die Risiken zu…

Ich persönlich nutze z.B. folgenden Rechner und finde heraus, dass ich meine Lehmhütte wohl erst in einigen Jahren finanzieren kann:
http://www.hypothekenrechner.ch/

Uwe Oktober 15, 2010 um 07:25

Wenn man so liest, wie vom einen zum anderen weitergereicht wird, dann liegt die Hauptschuld bei S&P (und anderen Ratingagenturen), weil die waren die einzigen, die dafür bezahlt wurden, eine objektive Aussage zum Ausfallsrisiko zu machen.

Super Artikel, übrigens! Einer der unterhaltsamsten, die ich bisher zum Thema gelesen habe (gut war auch die Geschichte von der Frau mit dem 1.75$-Haus >> http://tinyurl.com/2uwe5rr).

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