Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht “Zillionen” von Meinungen zu Inflation und Deflation veröffentlicht werden. Dabei scheint sich eine “allgemeine Durchschnittsmeinung” herauszukristallisieren. Man rechnet mit deflationären Tendenzen in diesem (und vielleicht im nächsten) Jahr. Mittelfristig rechnet man hingegen mit erhöhter Inflation. Teils wegen der expansiven Geldpolitik, teils um die enorme Staatsverschuldung vieler Länder auf diese Weise tilgen zu können.
Tja, daraus wird leider nichts. Eine interessante Studie der UBS räumt mit dem Mythos “Schuldentilgung durch Inflation” auf.
Diese Grafik zeigt die Details:
Die X-Achse stellt die Inflationsrate per annum dar. Die Y-Achse zeigt die Veränderung der Staatsverschuldung (in % des BIP). Nun, gesucht wären ja zahlreiche Ereignisse im Quadrant unten rechts. Dort würde eine hohe Inflation mit einer Reduktion der Staatsverschuldung einhergehen. Es finden sich dort aber kaum Datenpunkte. Gemäss UBS ändert sich auch nichts an dieser Aussage, wenn man den Betrachtungshorizont von einem auf zwei Jahre ausdehnt.
Die Hauptbegründung liegt in der Duration (durchschnittliche Kapitalbindungsdauer) der Staatsschulden. Höhere Inflation führt umgehend zu höheren Nominalzinsen. Wenn nun ein Grossteil der Staatsschulden in kurzer Zeit fällig wird und verlängert werden muss, wird dies zu entsprechend höheren Zinsen abgewickelt. In den USA müssen beispielsweise 45% der Schulden in den nächsten 12 Monaten verlängert werden. Rund 55% werden in den nächsten zwei Jahren fällig. Sollten in dieser Zeit die Inflationserwartungen am Markt steigen, so müssten diesen Schulden zu höheren Zinsen verlängert werden. Eine Reduktion der Schuldenlast via Inflation wäre demnach nur möglich, wenn die Duration der Staatsschulden deutlich länger, z.B. im zehnjährigen Bereich liegen würde.
Genau hier liegt gemäss P. Donovan womöglich die Fehlüberlegung hinter der anfangs genannten These. Der einzelne Inhaber von Obligationen/Renten/Bonds vermischt seine Situation mit derjenigen des Staates. Hält ein Investor in Zeiten steigender Inflation eine zehnjährige Anleihe, wird seine Kaufkraft stark zurück gehen. Diese Situation trifft auf den Staat mit der kurzen Duration jedoch nicht zu.
Ein Ausnahme bildet die Hyperinflation, also Inflationsraten zwischen 20% und 30%. Tatsächlich finden sich auf der Grafik einige Punkte. Aufgrund der weltweiten Aufmerksamkeit der Notenbanken gegenüber Inflation ist ein solches Szenario jedoch kaum vorstellbar. Oder hat da jemand “Zimbabwe” gesagt…?
Quelle: Paul Donovan, UBS via FT Alphaville







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Und was ist mit einem Betrachtungshorizont von > 2 Jahren? Irgendwann habe ich einmal gelernt, dass diese erst nach 2 Jahren so richtig zu wirken beginnt… Mir scheint, hier wird wieder einmal zu kurz gedacht…
Hyperinflation dürfte für viele Beobachter wie ein “black swan” daherkommen… Sich darauf vorzubereiten, scheint auf jeden Fall ratsam zu sein…
@Markus M. Müller
Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem Zeithorizont >2 Jahre bei hoher Inflation tatsächlich eine Reduktion der Schulden gezeigt werden könnte. In zwei Jahren haben die Nominalzinsen ganz sicher die neuen Inflationserwartungen eskomptiert und die Schulden bleiben wegen höherem Zinsendienst ebenfalls hoch.
Hyperinflation wäre m.E. ein “Unfall”, eine “Panne” in der Geldpolitik. Oder eben ein Black Swan. Sie wird aber sicher nicht als geldpolitisches Mittel zur Schuldenreduktion eingesetzt, zu unkontrolliert. Da wären Währungsreformen, Abwertungen oder Moratorien naheliegender. Das Fazit bleibt: “sich vorbereiten” mit Gold oder anderen “tangible assets”.
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