Das aktuelle Bear Market Rally an den weltweiten Aktienmärkten ruft Erinnerungen wach. An die DotCom-Bubble 1998-2000. An den langen Bull Market von 2003-2007. Und auch jetzt scheint das “Greater Fool Game” wieder voll in Schwung zu sein.
Greater Fool Game? So bezeichnet Richard Russel gerne das Verhalten vieler Investoren. Du kaufst eine Aktie und hoffst, einen “Verrückten” (Greater Fool) zu finden, der dir noch mehr dafür bezahlt. Dabei interessiert dich beim Aktienkauf das Bewertungsniveau (PE und andere Multiples) oder die Dividende nur am Rande. Kursgewinne stehen im Vordergrund.
Diese Grafik macht deutlich, wie unprofessionell dieses Verhalten langfristig ist. Wer rein wegen Kursgewinnen in Aktien investiert und für diese Hoffnung auf die Dividende verzichtet (hat da jemand “growth” gesagt…?), wird langfristig mit seinen Investitionen nicht zufrieden sein. Ein Blick auf die Details der Grafik fördert wichtige Tatsachen zu Tage.
Der S&P500-Aktienindex (bzw. seine Vorgänger, S&P500 seit 1957) haben von 1871 bis 2008 eine nominale Rendite (Total Return) von 8.7% per annum gebracht. Stolze 8.7% pro Jahr reichen, um die Kaufkraft eines Vermögens zu erhalten, es zu vermehren und den Lebensstandard zu erhöhen.
Die durchschnittliche Inflation lag in diesem langen Betrachtungszeitraum bei 2.2% pro Jahr. Die reale, inflationsbereinigte Rendite liegt damit bei jährlichen 6.5%.
Die Kapitalgewinne (Preisanstieg der Aktien abzüglich Inflation) haben pro Jahr 1.8% ausgemacht. Nochmals: Kursgewinne haben inflationsbereinigt 1.8% der gesamten Rendite von 8.7% ausgemacht!
Und die Dividenden, die langweiligen Dividenden, haben 4.7% zur Gesamtrendite beigetragen. Mehr als die Hälfte der Aktienrendite in den USA zwischen 1871 und 2008 kam von Dividenden! Jahr für Jahr reinvestiert in den Aktienmarkt.
Höchste Zeit, dass sich die heutigen Investoren wieder an das mächtige Konzept von “Compounding” (“Zins und Zinseszins…”) erinnern. Wer Aktienrisiken auf sich nimmt, will dafür regelmässig in Form von Dividenden entschädigt werden. Fantasievolle Kursprognosen von noch fantasievolleren Analysten haben in einem modernen Investitionskonzept keinen Platz (mehr)! Capish?
Quelle: Plexus Asset Management, via Investment Postcards










{ 5 comments… read them below or add one }
Wurde hier auch die steuerliche Situation berücksichtigt? Wenn z.B. Kursgewinne nach 1 Jahr steuerfrei sind, Dividenden hingegen pauschal immer mit 25% besteuert werden, verzerrt sich die Rechnung auch schon etwas.
Ist aber wahrscheinlich von Land zu Land verschieden und kann daher wohl nicht so verallgemeinert werden.
“Be careful what you wish for you just might get it.”
Die Märkte müssten sich fünfteln um die Dividendenrenditen des Lows von 1932 zu erreichen.
S&P500: 200 Punkte?
@Trüffel
Sieht natürlich von Land zu Land recht unterschiedlich aus. In den USA, worauf diese Analyse basiert, sind Kapitalgewinne immer steuerbar, sie werden dort ironischerweise als “unearned money”…
Die Zahlen würden sich durch den Einbezug der Steuern zwar verändern, die Kernaussage bleibt gültig: Für einen Aktieninvestor stellen Dividenden einen wichtigen, wesentlichen Baustein dar. Er sollte nicht darauf verzichten.
@Christoph
Nun, in diesem Artikel ging es mir darum, die Wichtigkeit von Dividenden zu unterstreichen. Ich kann nicht verstehen, dass sich Aktieninvestoren mit solch tiefen Dividenden wie in den letzten Jahren abspeisen lassen.
Dies bestätigst du mit deiner Bewertung aufgrund der Dividendenrendite. So waren die Märkte auch auf den Tiefstständen vom März nicht billig! Persönlich glaube ich, dass wir es jetzt mit einem Bear Market Rally zu tun haben. Der nächste Bull Market wird von deutlich tiefer bewerteten Märkten ausgehen. Muss ja nicht gerade so tief wie von dir analysiert sein…
Diverse empirische Studien belegen, dass Value- den Growth-Titeln nicht überlegen sind. Beide rentieren über einen langen Zeitraum praktisch gleich viel (wenig). Vielmehr gibt es immer wieder Phasen, in denen Value- oder Growth-Aktien in Mode sind (Herdentrieb). D.h. die geringeren Dividendenzahlungen von Growth-Aktien müssen mit grösseren Kursgewinnen kompensiert werden.
Beim S&P500 handelt es sich tendenziell um einen Value-Index, da er die grössten 500 US-Firmen beinhaltet. Die Schlussfolgerung, dass ein Abzug der Dividenden in diesem Index der Rendite von Growth-Aktien entspricht, ist nicht korrekt. Man müsste einen Growth-Index analysieren und würde sehen, dass die Dividenden und Kursgewinne anders gewichtet sind, jedoch langfristig in etwa gleich viel rentieren wie der entsprechende Value-Index.
PS: Ich denke nicht, dass Aktien im März noch teuer waren. Kommt halt auf die Gewinnerwartung an die man hat. Und die zukünftigen Gewinne kann niemand wissen, nur raten – insbesondere “professionelle Analysten”.
{ 1 trackback }