Wie lange kann die USA noch Kapital auftreiben? Und wo?

by rwilli on 28. September 2009

Ist ja nicht mehr gross erwähnenswert, dass die von den USA benötigten Kapitalflüsse vorwiegend aus China und Japan stammen. Der enorme Kapitalbedarf der USA für Rettungspakete, Konjunkturprogramme und Budgetdefizite hat mitunter auch zur viel steileren Zinskurve im US-Dollar geführt. Ich habe unlängst darüber berichtet.

Was wäre, wenn China oder Japan plötzlich keine neuen US-Staatsanleihen mehr zeichnen würden? Es gibt da in letzter Zeit einige Signale vom US-Bondmarkt, die du unbedingt kennen und verstehen solltest.

20090928 ForeignHolders Wie lange kann die USA noch Kapital auftreiben? Und wo?

Die erste Grafik zeigt die Summe der von Ausländern gekauften US-Staatsanleihen (US-Treasuries). Sie bestätigt die Feststellung, dass die Defizite in den USA sehr stark vom Ausland finanziert werden, allen voran China und Japan. Doch diese “Zusammenarbeit” bekommt Risse…

Die zweite Grafik zeigt, wie sich innerhalb der US-Staatsanleihen die überjährigen Anleihen (US Treasury-BONDS) im Besitz von Ausländern entwickelt haben. Wir stellen fest, dass der Anteil in Treasury Bonds seit Sommer 2008 mehr oder weniger konstant geblieben ist. Und dies obwohl die Guthaben von ausländischen Gläubigern in der Summe stark gestiegen sind (siehe erste Grafik).

20090928 BondHoldings Wie lange kann die USA noch Kapital auftreiben? Und wo?

Also nochmals: mehr Geld von ausländischen Gläubigern in den USA, aber nicht im Bond-Bereich. Bleibt also nur der kurzfristige Bereich von US Treasury-BILLS. Die dritte Grafik bestätigt dies. Sie zeigt die Entwicklung von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 1 Jahr (US Treasury Bills) in den Händen von ausländischen Investoren. Sie haben in den letzten Monaten um happige USD 400 Mrd. zugenommen.

20090928 BillsHoldings Wie lange kann die USA noch Kapital auftreiben? Und wo?

Zusätzlich wurde im Blog von Zero Hedge schon früher darauf hingewiesen, dass rund die Hälfte der Emissionen von US-Staatsanleihen im 2. Quartal 2009 vom Fed gekauft wurden! Ganz genau waren’s USD 164 Mrd. bei einem Emissionsvolumen von USD 339 Mrd.

Fassen wir die Situation zusammen (dies ist wichtig!):

  • Rund die Hälfte der von den USA im 2. Quartal benötigen Mittel stammten von der eigenen Notenbank, da die Mittel nicht anderswo aufgetrieben werden konnten.
  • Die ausländischen Investoren waren in dieser Phase nicht bereit, den USA ihr Geld für mehrere Jahre zur Verfügung zu stellen. Statt dessen bevorzugten sie Laufzeiten von einigen Monaten.
  • Es ist bekannt, dass von den für “Quantitative Easing” bewilligten USD 300 Mrd. nur noch USD 10 Mrd. übrig sind.

Eine “milde” Reaktion des Marktes auf diese Situation wäre eine noch steilere Zinskurve im US-Dollar. Die Investoren sind nicht bereit, den USA zu den aktuellen Zinsen ihr Kapital langfristig zur Verfügung zu stellen. Sie fordern einen besseren, höheren Zins.

Die “brutale” Reaktion des Marktes auf diese Situation wäre eine “funding crisis”, also eine Situation, in welche das Treasury schlichtweg nicht mehr genügend Mittel auftreiben könnte, um die geplanten/versprochenen/geschuldeten Ausgaben zu tätigen.

Der Markt wird – unter anderem wegen den kurzen Laufzeiten der Treasury Bills – bereits im Oktober auf diese Situation reagieren. Es stehen angespannte Zeiten im US-Bondmarkt an.

Charts: Zero Hedge

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