Der langjährige Aufwärtstrend im Gold hat diese Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. Mit viel Schwung hat sich der Goldpreis in $/Oz von der psychologisch wichtigen 1000er-Marke entfernt und ist über $1′040 gestiegen. Allerdings scheint der Auslöser eher der schwache US-Dollar und weniger die grosse Nachfrage nach Gold gewesen zu sein. Wie auch immer.
Der Bull Market in Gold hat damit definitiv die zweite Phase gezündet. In dieser Phase wird die breite Öffentlichkeit auf den Aufwärtstrend aufmerksam, es entstehen viele neue Produkte, welche vom Aufwärtstrend profitieren (sollen). Allerdings begegnet man dem Trend mit Zurückhaltung und Skepsis. Die Masse nimmt den Aufwärtstrend nun war, handelt aber noch nicht danach und ist nicht investiert. Wer in deinem Freundeskreis hat denn Gold im Safe oder im Depot?
Ich werde oft gefragt, wie man denn in Gold investieren könne und wie sich die verschiedenen Varianten voneinander unterscheiden. Höchste Zeit also, einen Artikel zu schreiben, der schon lange in meinem Kopf “herumgeistert”. Aber zuerst noch eine Vorbemerkung: Dies ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Gold! Bitte lese wieder einmal den Disclaimer auf financeBLOG. Ein Artikel wie dieser kann das Gespräch mit einem Anlageberater nicht ersetzen. Er hilft dir aber, dich gut darauf vorzubereiten und ein paar kritische Fragen zu stellen… Jetzt aber zu den Goldinvestitionen:
Diese Grafik zeigt die “Investitionspyramide” für Gold. Es wird unterschieden zwischen Versicherung, Investition und Spekulation. Jeder Investor sollte sich klar beantworten können, warum er an einen Goldkauf denkt. Geht’s um einen Schutz für happige Krisen, einen Notgroschen? Gehts darum, mit einer mittelfristigen Buy-and-Hold-Strategie von einem Aufwärtstrend zu profitieren? Oder sucht er den schnellen Kapitalgewinn mit entsprechendem Risiko? Sehen wir uns alle Varianten im Detail an:
Physisches Gold: Barren
Der Klassiker. Goldbarren in Grössen von 1 Gramm bis 1 Kilogramm. Die im TV oft gesehenen 12,5kg-Standardbarren sind keine offizielle Liefergrösse. Man partizipiert mit Goldbarren 1:1 an der Preisentwicklung des Goldpreises. Wer sich die Barren ausliefern lässt, bezahlt Lieferspesen. Diese können von Bank zu Bank recht unterschiedlich sein. Es gilt zu beachten, dass Gold zum US-Dollar eine sehr tiefe Korrelation hat, also fast spiegelbildlich verläuft. Wer also in EUR oder CHF denkt, muss sich überlegen, ober der das USD-Währungsrisiko absichern will. Die sichere Aufbewahrung des Golds kann ebenfalls eine Herausforderung darstellen.
Physisches Gold: Münzen
Krügerrand ist wohl eine der bekanntesten und am häufigsten “eingesetzten” Goldmünzen. Sie ist in Grössen von 1/10 bis zur einer ganzen Unze (Oz) erhältlich. Weitere bekannte Goldmünzen: Maple Leaf, American Eagle, Australian Nugget etc. Auch mit diesen Münzen nimmt man 1:1 an der Goldpreisentwicklung teil. Es gilt zu beachten, dass der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs stark variiert und zum Teil beträchtlich ausfallen kann, z.B. beim Vreneli. Es handelt sich hier nicht um Sammlermünzen (Numismatik) und man bezahlt keine entsprechenden Aufschläge.
Physisches Gold: Metallkonto
Wer in physisches Gold investieren, sich aber nicht um Auslieferung und Lagerung kümmern will, liegt mit dem Metallkonto einer Bank richtig. Auch hier wird die Goldpreisentwicklung 1:1 abgebildet. Man bezahlt keine Auslieferungsspesen, dafür eine Kontoführungsgebühr. Da es sich um ein Konto bei einer Bank handelt, sollte man sich über die Bonität der entsprechenden Bank ins Bild setzen.
Physisches Gold: Wertschriftendepot
Bei dieser Variante wird das physisch bei der Depotbank hinterlegte Gold ins Wertschriftendepot des Investors gebucht. Wichtig (und gut): der Investor hat direkt das Gold im Depot und nicht eine Papierforderung gegen Gold (siehe unten). Der Vorteil besteht darin, dass die Goldinvestition als Anlage geführt und in Reportings und Analysen entsprechend gezeigt werden kann. Üblicherweise fallen auch für diese Variante Depotgebühren an. Man partizipiert 1:1 am Goldpreis.
Papier-Gold: ETF und Zertifikate auf Gold
Bei dieser Variante besitzt der Investor nicht direkt das Gold sondern Anteile an einem (physischen) Goldfonds (ETF) oder Forderungen gegenüber dem Herausgeber des Zertifikats. Bei Zertifikaten stellt sich damit die Frage nach Bonität und Rating des Herausgebers. Seit der Finanzkrise und der Lehman-Pleite ein vielbeachtetes Thema. Man partizipiert sehr stark, wenn auch nicht 1:1 am Goldpreis, besitzt schlussendlich aber “nur” eine Forderung. Geeignet als Investition, nicht aber als Versicherung (siehe Grafik oben).
Papier-Gold: ETC auf Gold
ETC steht für Exchange Traded Commodities. Ein häufig gesehenes Beispiel für ein Zertifikat mit entsprechendem Gegenparteienrisiko. Dies im Gegensatz zu Fondslösungen wie einem Gold-ETF, wo das Gold als Sondervermögen ausserhalb der Bilanz geführt wird. ETC und Zertifikate sind für mich Tabu.
Papier-Gold: Aktien (Blue Chips)
Immer wieder gestellte Frage: Gold oder Goldaktien? Ich bleibe bei meiner Meinung: beides! Allerdings muss man Engagements in Goldaktien (z.B. Newmont, Barrick) klar als Aktien führen. Sie verhalten sich langfrisig mehr wie Aktien und weniger wie Gold. Oder etwas “fach-chinesischer”: der Investor kauft Aktienrisiken und Aktienkorrelationen und nicht Goldrisiken. Bei der Titelauswahl sollte man meines Erachtens auf eine breite Diversifikation (Goldminenfonds) achten und sich ein Bild über Absicherungsgeschäfte (Spannendes Beispiel: Barrick) machen. Ein Beispiel für einen breiten Index mit Goldaktien findest du hier.
Papier-Gold: Aktien (Nebenwerte)
Goldaktien mit kleiner und mittlerer Börsenkapitalisierung sind oben in der Grafik klar als Spekulation aufgeführt. Man will sich damit nicht gegen happige Krisen absichern sondern sucht den raschen Kapitalgewinn. Oft sucht man Goldminenaktien, welche durch den steigenden Goldpreis plötzlich ihre Produktionskosten decken können. Man rechnet damit, dass sie entsprechend die Goldproduktion aufnehmen. Jede weitere Steigerung der Goldpreises erhöht den Erlös und Gewinn der Firma. Gold-Nebenwerte werden daher oft auch etwas salopp mit Gold-Warrants verglichen.
Ich hoffe, diese grobe Übersicht hilft dir weiter. Ich kann hier nicht auf alle Details eingehen und habe mich daher auf einen kurzen Beschrieb jeder Variante konzentriert. Dein Kommentar interessiert mich (wie immer) und falls du den Artikel gut findest… warum nicht einmal einem “Kumpel” mailen…?









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Die beiden letzten Möglichkeiten finde ich gefährlich.
Wir sind dadurch aus dem Bereich der Realen Wirtschaft raus…
Es wir “Lust” verkauft.
@Goldankauf
Naja, mit einem Engagement in Minenaktien ist man nicht wirklich aus der “realen Wirtschaft” raus… oder gibt es etwas realeres als eine Firma, die ihre Produkte an einem Markt gegen Konkurrenzangebote durchsetzen muss?
Aber du hast natürlich recht, man “hofft” auf guten Geschäftsgang und steigende Gewinne. Darum auch die Unterscheidungen in “Versicherung”, “Investition” und “Spekulation”.
Danke für deinen Kommentar!
Habe hier schon oft die Artikel gelesen und kann sagen, dass die Plattform hier richtig Substanz zu bietet hat und für den Endverbraucher großen Nutzen vorweist.
Meine Empfehlung –> bei einem Kauf von Goldbarren können Sie derzeit nichts verkehrt machen…! Durch die Inflation können Sie Ihr Vermögen nicht besser schützen…
Viele Grüße aus Nürnberg
Andreas
@Andreas
Hey, vielen Dank für das Feedback. Dies war genau meine Motivation, als ich dieses Blog vor gut einem Jahr ins Leben gerufen habe. Das eigene Wissen teilen, Nutzen stiften für den “Endverbraucher”. Freut mich sehr, wenn so auch ankommt!
Danke für deinen Kommentar.
Wie kann es sein, dass wenn ich z.B eine Krügerrandmünze für ca 770 Euro kaufe, der Goldpreis von 1000 auf 1100 hoppst trotzdem kein Gewinn mache, wenn der Dollar sinkt?? Denn das habe ich auf der WiWo Seite gelesen.
Gruss
@Dom
Abgesehen vom Geld/Brief-Spread (Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs) kann dies nur mit der Veränderung des Währungskurses USD/EUR erklärt werden. Haupthandelswährung im Gold ist der USD, die Korrelation von Gold zum USD liegt bei ungefähr -0,9. Das Gold entwickelt sich also mehr oder weniger “spiegelbildlich” zum USD. Der Goldpreis in EUR ist weniger stark gestiegen, weil der USD zum EUR an Wert verloren hat. Zwar ist der Goldpreis auch in EUR gestiegen, aber eben nicht so stark wie in USD. Deine Frage kann also nur mit “Währungsschwankungen” beantwortet werden.
Hallo
Ich würde ja sagen, Gerüchte hin oder her, man darf Gold als Anlage nicht unterschätzen. Wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast
Über längere Zeit wird sich der Preis so oder so wieder stabilisieren – so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben
Gruß, Konstantin
Ich denke man sollte mehr auf Gold setzten. Der Goldpreis wird sich in den nächsten 5-10 Jahren bestimmt sogar verdoppeln.
Der Preis für Gold wird sich fast sicher um 20 % erhöhen. Die eine oder andere Krügerrand oder Rand Münze sollte man sich jetzt schon mal kaufen! Viel Glück beim spekulieren!
…na dann würde auf deiner Website “goldANkauf” aber nicht mehr viel laufen, wenn sich niemand mehr von seinem Gold trennen will…
danke für Deine nette Antwort
aber irgendwann trennt sich doch jeder wieder mal von seinem Gold. Die Gründe sind vielfältig und dann gibt es auch die richtige Adresse dazu! Alles Gute für Deine Seite!
…war natürlich auch als “Spruch” gedacht. Mir fällt gerade in der jetzigen Phase des Gold-Bullmarkets auf, dass viele Privatpersonen ihr Gold (Goldvreneli, Schmuck) verkaufen oder eintauschen. Für mich ein klares Indiz, dass der Aufwärtstrend noch nicht zu Ende ist. Erst wenn alle davon überzeugt sind, dass es nur noch aufwärts gehen kann und nicht daran denken, ihr Gold zu verkaufen, geht dieser Bull Market m.E. zu Ende.
Schnell wieder raus kommt man aber nicht…