Zahlreiche Aktienindizes haben bis jetzt rund die Hälfte der Kursverluste der Finanzkrise wieder wett gemacht. Dem stehen einige Indikatoren gegenüber, welche bereits wieder Höchststände verzeichnen. So zum Beispiel die Advance Decline Line der New York Stock Exchange.
Dieser Artikel betrachtet die AD-Line aus der Nähe und befasst sich mit dem aktuellen Stand.
Berechnung und Bedeutung
Die Entwicklung von kapitalgewichteten Indizes wie S&P500 oder NASDAQ Composite wir oft von grossen Unternehmen (large caps) stark beeinflusst oder gar dominiert. Hier setzt die Advance Decline Line (kurz AD-Line) an. Sie soll messen, wieviele einzelne Aktien an einem Trend teilnehmen. Es lässt sich damit also deuten, ob ein Trend breit abgestützt ist oder von ein paar wenigen, grosskapitalisierten Aktien getragen wird.
Zur Berechnung zählt man täglich die Aktien mit Kursgewinnen zusammen und subtrahiert die Summe der Akien mit tieferen Schlusskursen. Die Differenz wird mit dem Wert der AD-Line vom Vortag kumuliert:
AD-Line = (Anzahl gestiegene Aktien – Anzahl gesunkene Aktien) + Wert AD-Line vom Vortag
Mit der AD-Line können Divergenzen rechtzeitig erkannt werden. Wenn beispielsweise ein Aktienindex steigt, die AD-Line jedoch (schon) fällt, sollte dies als Warnsignal verstanden werden. Der Anstieg des Index ist dann nicht breit abgestützt und entsprechend anfällig auf Rückschläge. Generell wird die AD-Line als “leading indicator” angesehen.
Aktuelle Interpretation
Im Gegensatz zu den grossen Aktienindizes hat die AD-Line der NYSE den gesamten Rückgang der Finanzkrise wett gemacht. Sie steht heute wieder auf dem alten Höchststand von 2007. Dies ist sicher als positives Signal für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte zu deuten.
Vom alten Höchststand (2007) könnte aber in den nächsten Tagen und Wochen einiger Widerstand kommen. Oft gelingt es einem Indikatoren nicht auf Anhieb, alte Höchststände zu überwinden und hinter sich zu lassen. Der AD-Line sollte also in den nächsten Wochen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Advance Decline Line zum selber machen:
Code $NYAD auf Stockcharts.com









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“Sie steht heute wieder auf dem alten Höchststand von 2007. Dies ist sicher als positives Signal für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte zu deuten.”
Hallo RWILLI,
wieso soll das ein positives Signal sein? Bei mir gehen da eher die Alarmglocken an: 2007 war das Hoch an der Börse. Vielleicht jetzt auch wieder ein Hoch und bald stark abwärts?
Ein bisschen mehr Zahlenfutter wäre daher zur rationalen Erörterung der A/D-Linie hilfreich.
Gibt es hierzu auch längerfristiges Datenmaterial oder nur die Grafik von stockcharts?
Gruß
Christoph
@Christoph
Positiv an der heutigen (hohen) AD-Line ist, dass das Bear Market Rally seit März gemäss diesem Indikator breit abgestützt und nicht von einigen wenigen Unternehmen abhängig ist. Je länger je mehr Aktien haben am Aufwärtstrend teilgenommen.
Dass auf einem Höchststand (wie 2007) die Gefahr eines Rückschlags/Widerstands grösser ist und entsprechend genau beobachtet werden muss, schreibe ich im Artikel.
(Sehr) langfristige Daten sind auf Stockcharts erhältlich, man muss jedoch Abonnent sein. Auch Bloomberg bietet diese Daten. Ich habe diese Grafik bewusst für den Zeitraum seit 2003 erstellt.
Zum Schluss: Ich werde künftig immer wieder solche Indikatoren kurz vorstellen. Keiner sollte für sich zu wichtig genommen werden, sie stellen lediglich ein Puzzle-Teil im Gesamtbild dar.
Danke für deinen Kommentar!
Danke für den Hinweis; aber damit keine Missverständnisse aufkommen:
Mit “langfristige Daten sind auf Stockcharts” meinst Du, dass es sich um langfristige Charts handelt?
Downloadbare Daten (!) wird es wohl weder bei stockcharts noch bei Bloomberg geben, oder?
@Christoph
Ja. Wenn man auf Stockcharts Abonnent ist, kann man recht lange Fristen anzeigen lassen. Schlussendlich hat man aber immer nur den Chart, nicht die Daten.
Bei Bloomberg sollte es möglich sein, die Rohdaten als Excel zu downloaden. Aber nicht ganz billig, der Spass…
Welche Quellen bevorzugst du?
Danke für die Info. Leider kann ich mir ein Bloomberg Professional (heisst das so?) nicht leisten. Ich nutze überhaupt keinen kommerziellen Daten-Service.
Gerne tummel ich mich auf den “FRED”-Seiten der Fed St. Louis. Dort gibt es historische Zahlenreihen ohne Ende.
(Ironischerweise lehne ich als bekennender Ron-Paulianer das Fed-System ab. Aber die Seite ist trotzdem gut
Habe mich jetzt mal durch einige andere Indikatoren auf stockcharts durchgeklickt. Wenn ich das richtig sehe, sind so ziemlich alle wieder auf ungefähr demselben Niveau wie Mitte 2007 zu Börsenhöchstständen.
Meine “Alarmglocke” bimmelt daher jetzt noch lauter. Eigentlich sollte das Ende der Rally bald da sein.
Deine Einschätzung?
@Christoph
Ja, mir ist beim Anblick diverser Indikatoren auch nicht mehr ganz wohl. Allerdings habe ich gelernt, so eine Meinung nicht einfach an den Märkten umzusetzen (verkaufen, short gehen) und dann hoffen, dass man richtig liegt.
Vielmehr warte ich auf konkrete Signale, dass “es gedreht hat”. Im Moment bedeutet dies z.B. Stop Loss setzen und bei weiter steigenden Kursen nachziehen. Irgendwann wird die Limite dann erreicht und es erfolgt der (Teil-)Verkauf. Der Markt soll also Transanktionen auslösen und nicht eine Analyse. Diese ist immer zu fehlerhaft. Oder mit Sokrates: “Ich weiss, dass ich nichts weiss.”
Deine “Alarmglocke” ist sehr wichtig. JEDER Investor sollte jetzt wissen, wo sein Stop Loss ist, wo er verkaufen wird, wann ihm die Sache zu bunt wird. Risikomanagement betreiben und nicht einfach warten und hoffen…
@Christoph
Übrigens: Werde nächste Woche, auf dem Flug nach NYC, das Buch “End the Fed” lesen. Empfehlenswert?
Shame on me! Das Buch steht noch nicht bei mir im Regal sondern noch auf meiner Amazon-Wishlist. Trotzdem bin ich ganz sicher, dass es empfehlenswert ist; ist schliesslich von Ron Paul
Aber im Ernst: ich vermute, dass zwar für Hardcore-Free-Market-Anhänger wenig Neues drinnen stehen wird, aber dass es durchaus amüsant und kurzweilig zu lesen ist.
Als waschechter “Austrian” wird Ron Paul bestimmt mal wieder die Keynesianer und Papiergeldgläubigen bashen…
Davon ist auszugehen
@ RWILLI
Diese A/D-Linie lässt mir keine Ruhe.
Die aktuelle Rally hat doch nur ein extrem geringes Volumen, richtig?
Ein Rally ohne entsprechend hohes Volumen gilt doch normalerweise als “nicht bestätigt”, bzw. “auf töneren Füssen stehend”.
A/D-Linie hoch und gleichzeitig wenig Volumen erscheint mir irgendwie als Widerspruch.
Wie erklärst Du diesen speziellen Sachverhalt?
@Christoph
Wenn du dir die “Formel” für die AD-Line anschaust, siehst du, dass das Volumen bei diesem Indikator keine Rolle spielt. Es kommt lediglich darauf an, wieviele Aktien höher geschlossen haben als am Vortag.
Selbstverständlich sollte in der technischen Analyse aber das Handelsvolumen ebenfalls berücksichtigt werden. Allerdings würde ich nicht unbedingt das Volumen des ganzen (Bear Market-)Rallys betrachten, sondern das Volumen an wichtigen Tagen oder bei wichtigen Ereignissen (Korrekturen, neue Höchststände, outside reversal days etc.) So ist z.B. ein Ausbruch aus einer Chartformation umso glaubwürdiger, je grösser das Volumen beim Ausbruch war. Hmm, mal sehn, vielleicht schreibe ich in nächster Zeit ein paar weitere Artikel über charttechnische Indikatoren.
@ rwilli
Anscheinend habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Dass die AD-Formel formelseitig nichts mit Volumen zu tun hat, weiss ich.
Ich hätte jedoch vermutet, dass ein breiter Aufschwung mit vielen Aktien ein hohes Volumen bedingt. Und vice versa.
Quasi eine gewisse positive Korrelation zwischen A/D-Linie und Volumen.
Ich freu mich auf jeden Fall über mehr vorgestellte Indikatoren.