Gratis ein Golf-Cart gefällig?

by rwilli on 4. November 2009

Hmm, die verschiedenen Stimulusprogramme zur Stabilisierung der Weltwirtschaft treiben manchmal seltsame Blüten. Zur Zeit gerade im Fokus: Der Boom für Golf-Wägelchen (‘golf-carts’) in den USA. Dies wird ein spannender, unterhaltsamer Artikel, der dir sicher ein ungläubiges Schmunzeln entlockt.

Bild: Uwe Wagschal, via pixelio.de

Bild: Uwe Wagschal, via pixelio.de

Der Stimulus-Plan von Präsident Obama bringt beim Kauf eines Elektro-Fahrzeugs einen staatlichen Zustupf. Dabei reicht die Unterstützung pro Fahrzeug von $4’200 bis $5’500. Zahlreiche Staaten in den USA ergänzen diese Unterstützung, indem sie nochmals den gleichen Betrag ausschütten oder als Steuerabzug zulassen. Diese Kombination reicht in vielen US-Staaten aus, um für die ganzen Kosten des Golf-Wägelchens aufzukommen. Aber auch in Staaten, in welchen die Unterstützung nicht ganz so ausgeprägt ist, reicht es alleweil, um die Hälfte bis zwei Drittel der Anschaffungskosten (typischerweise im Bereich von $8000 bis $10000) zu decken.

Dieser Golf-Wägelchen-Boom geht auf einen Entscheid des IRS zurück, wonach Elektro-Fahrzeug eben Elektro-Fahrzeug sei. Es muss einfach “strassentauglich” sein. Dies wird beim Golf-Wägelchen durch kleine Anpassungen wie Rückspiegel oder Sicherheitsgurte erreicht. Diese Elektro-Caddies erreichen übrigens Geschwindigkeiten von 25 bis 45 km/h.

Wie funktioniert jetzt aber das Ganze?

Hier ein interessantes Beispiel aus Florida: Beim “Golf Cart Man” in Lady Lake, FL, kostet das Golf-Wägelchen $8000. Darauf gibt’s eine Steuergutschrift auf der Einkommenssteuer 2009 von $5300. Den Restbetrag lässt man in einem Leasing stehen und bezahlt während den nächsten 27 Monaten eine Leasingrate von $100. Kein Restkaufwert. Nach Ablauf der Leasingdauer, also in gut zwei Jahren, kauft der “Golf Cart Man” den Elektro-Caddy für garantierte $2000 zurück. Der Golfer hatte also (fast) gratis während zwei Jahren ein $8000 teures Gerät zur Verfügung.

Es kommt noch besser. Der IRS-Entscheid hält klar und deutlich fest, dass jemand soviel Elektro-Wagen kaufen kann wie er will. Die staatliche Unterstützung ist nicht auf eine Person oder ein Wägelchen beschränkt. Kein Wunder, füllen einige Golf-Wagen-Händler zur Zeit ihre Lager, um den Markt später zu bedienen. Dies wurde dann doch einigen Staaten zu bunt und sie limitierten den Bezug der Unterstützungsgelder mit eigenen Gesetzen. Nicht so aber der US-Congress… die sind zur Zeit wohl auf der Driving Range.

“Is that about the coolest thing you’ve ever heard?” meint dazu der Golf Cart Man…

Wenn staatliche Unterstützungsprogramme wie die Abwrackprämie oder das “Cash for clunkers-Programm” weithin als ultimative Verschwendung von Staatsgeldern und Steuereinnahen angesehen werden, so bleibt man bei diesem Beispiel einfach nur sprachlos. Denn um diese Unterstützungsprogramme zu finanzieren, wird es wohl nur einen Weg geben. Steuererhöhungen. Auf Einkommen und Vermögen bespielsweise. Um Golf-Wägelchen finanzieren zu können…

Quelle: The Wall Street Journal
Hat tip: Hugi

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