Lange Zeit traten die Notenbanken als Verkäufer am Goldmarkt auf. Und dies in einem Ausmass, dass man sich um den Goldpreis sorgen machen musste. Die Tiefststände im Gold von rund $250 in den Jahren 1999 und 2001 wurden denn auch immer wieder mit Notenbankverkäufen begründet. Schliesslich einigten sich die wichtigsten Notenbanken im Washington Agreement auf Goldmengen, die pro Jahr durch Verkäufe nicht überschritten werden sollten.
In einem Artikel über Goldverkäufe von Notenbanken habe ich im Februar 2009 eine mehrjährige Übersicht zu den getätigten Goldverkäufen dargestellt.
Die jüngsten Meldungen, wonach die Notenbanken in letzter Zeit wieder als Käufer am Goldmarkt aufgetreten sind, lassen aufhorchen! Es sind zwar nicht dieselben Zentralbanken, die in den letzten Jahren Gold verkauft haben. Vielmehr treten China oder Indien als prominente Goldkäufer auf. Aber das Timing der Notenbanker war oft so unglaublich schlecht, dass man daraus ein Contrarian-Argument ableiten könnte. (Die Schweizer unter meinen Lesern sollen sich einmal die Diskussion um “Goldinitiative/AHV-Einlage/Gemeinnütziger Fonds/Blocher” vorstellen, wenn die SNB das Gold zu $1000 pro Unze verkauft hätte…) Die grossen Verkäufer wie Frankreich, die Niederlande oder die Schweiz haben ihre Goldreserven zu Tiefstpreisen reduziert. Auf der anderen Seiten haben China, Indien oder auch Vietnam ihre Reserven wohl zu (vorübergehenden) Höchstständen aufgebaut.
Hier also das aktuelle Inventar:
Internationale Goldreserven
| Rang | Land | t | % |
|---|---|---|---|
| 1 | USA | 8'134 | 77,3 |
| 2 | Deutschland | 3'408 | 69,2 |
| 3 | IWF | 3'217 | - |
| 4 | Italien | 2'452 | 66,6 |
| 5 | Frankreich | 2'445 | 70,6 |
| 6 | China | 1'054 | 1,9 |
| 7 | Schweiz | 1'040 | 29,1 |
| 8 | Japan | 765 | 2,3 |
| 9 | Niederlande | 613 | 59,6 |
| 10 | Russland | 567 | 4,3 |
| 11 | EZB | 501 | 18,8 |
| 12 | Taiwan | 424 | 3,9 |
| 13 | Portugal | 383 | 90,9 |
| 14 | Indien | 358 | 4,0 |
| 15 | Venezuela | 356 | 36,1 |
| 16 | Grossbritannien | 310 | 17,6 |
| 17 | Libanon | 287 | 26,5 |
| 18 | Spanien | 282 | 38,9 |
| 19 | Österreich | 280 | 57,9 |
| 20 | Belgien | 228 | 41,2 |
| TOTAL | 29'634 |
(Die %-Spalte gibt an, wieviel Prozent der Geldmenge Devisenreserven mit Gold gedeckt sind)
Was glaubst du? Sollten die Zentralbanken ihre Goldreserven wieder aufstocken? Sollte deiner Meinung nach jede Währung mit einem Prozentsatz Gold gedeckt sein? Siehst du Gold als “altes, barbarisches Relikt” oder als Fundament einer Papierwährung? Welche Anforderungen würdest du deinem Vertreter nach Bern/Berlin/Wien mitgeben?
Quelle Goldreserven: World Gold Council









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77,3% der US Geldmenge soll mit Gold hinterlegt sein??? Das scheint mir völlig daneben. Nicht nur vor dem Hintergrund, wie stark die Geldmenge in den letzten Monaten aufgeblasen wurde…
Aber zur Frage: Die Schweiz soll so schnell wie nur möglich ihre Goldreserven wieder ausbauen und im Gegenzug ihre USD abbauen!
Wer sich dieser Meinung anschliessen möchte, hier klicken:
http://www.gesunde-waehrung.ch
@Markus M. Müller
Kann mir das ehrlich gesagt auch noch nicht im Detail erklären.
Sieh’ mal dieses Zitat von gold.org: “The international average is about 10.2% at current market prices but, in the EU it is over 50% and the USA holds around 75% of its reserves in gold. Countries facing particular volatility in their economic and/or political circumstances will want to consider the level of gold in their reserves.”
Wahrscheinlich geht’s hier nicht um die gesamte Geldmenge, sondern nur um M1 oder M2. Wer weiss mehr?
Also in der Bilanz des FED scheint nicht mehr viel Gold vorhanden zu sein…
http://www.ritholtz.com/blog/wp-content/uploads/2009/12/09-12-16_fed_balance_sheet.png
Hierbei geht es nicht um die theoretische Golddeckung der umlaufenden Geldmenge (d.h. weder M3, M2 noch M1) sondern schlicht um den Anteil von Gold an den gesamten Fremdwährungsreserven des jeweiligen Staates.
Die USA halten aufgrund ihres langjährigen Handelsbilanzdefizits fast keine Staatsanleihen anderer Staaten. So erklärt sich der hohe prozentuale Goldanteil.
China und Japan schneiden so schlecht ab, weil sie a) relativ wenig Gold und b) die höchsten US-Dollarbestände halten.
Gruß
Christoph
@Christoph
Da haben wir’s! Vielen Dank für die Erklärung.
Danke für den interessanten Beitrag. Zum Gold ist mir heute ein Video aufgefallen. Der Typ erzählt noch meines Erachtens spannendes… obwohl dies ja bereits einige Monate her ist. http://www.investchannel.ch/instrumente/Gold-sollte-jeder-im-Depot-haben.aspx