Was bedeutet die Krise in Griechenland für Euro und EU?

by rwilli on 19. Januar 2010

Der Artikel von gestern über die neuen Höchststände von CDS-Preisen für Griechenland ist auf grosses Interesse gestossen. Aber auch der Kommentar von Christian veranlasst mich, die Griechen-Krise noch etwas genauer zu durchleuchten. Die Frage von Christian:

“Wie siehst Du die Gefahr eines (temporären) EURCHF-Kollapses bei Zuspitzung der Probleme in Griechenland?”

20100119 EURCHF 1Y 300x195 Was bedeutet die Krise in Griechenland für Euro und EU?Nun, die Schwäche des EUR bzw. die Stärke des CHF der letzten Monate dürfte auch mit den Unsicherheiten in Griechenland zusammen hängen. Einerseits beteuert die EU immer wieder, dass sie Griechenland bei einer allfälligen Zahlungsunfähigkeit nicht zur Hilfe eilen werde. Andererseits glauben viele Marktteilnehmer daran, dass der EU schlussendlich gar nichts anderes als ein Bailout der Griechen übrig bliebe. Diese Unsicherheit drückt natürlich auf den Kurs. Oder um es etwas pointierter und mit den Worten von John Mauldin auszudrücken: “The euro is not a currency, it’s an experiment.”

Allerdings gibt es zur Zeit an den Finanzmärkten einige Hinweise, die darauf hindeuten, dass Griechenland mit seiner Krise alleine da steht. Sieh dir einmal diese Grafik an.

(Quelle: BNP Paribas)

(Quelle: BNP Paribas)

Die Grafik zeigt die Risikoaufschläge von anderen (osteuropäischen) Ländern im Vergleich zu Griechenland. Die blaue Linie zeigt den Risikaufschlag von polnischen Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit. Beide Länder (Griechenland und Polen) verzeichnen etwa gleich hohe Riskspreads. Die grüne Linie zeigt die Risikoprämie für Ungarn, auch im Vergleich zu Griechenland. Ungarn muss an den Finanzmärkten zur Zeit rund 2% (200 Basispunkte) mehr Zins offerieren, wenn das Land Gelder für zehn Jahre aufnehmen will.

Wichtig ist aber die Beobachtung, dass sich beide Risikoaufschläge in der letzten Woche im Vergleich zu Griechenland verringert haben! Wenn die EU von den Finanzmärkten als ein grosser Wirtschaftsraum betrachtet würde, hätten auch die Risikoprämien von Polen und Ungarn steigen müssen. Offensichtlich glauben aber die Marktteilnehmer, dass die #Griechen-Krise nicht auf die anderen Länder rüberschwappt. Noch nicht.

So gesehen sollte die Griechen-Krise auch nicht zu einem Kollaps des Euro führen. Als Ausweg wäre bei einem tatsächlichen Staatsbankrott Griechenlands das Ausscheiden aus der europäischen Währungsunion denkbar, auch wenn dies nach den heute gültigen Verträgen kaum denkbar ist.

Via: FT Alphaville

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Hugi Januar 19, 2010 um 07:37

Oder die marktteilnehmer denken sich: wenn die EU bei griechenland einspringt, dann müssen auch bei HU einspringen. dann wären die spreads nicht gerechtfertigt. ich möchte nicht in brüssel sitzen…

Markus M. Müller Januar 19, 2010 um 11:25

Zur Gruppe der PIIGS gehört ja nicht nur Griechenland. Auch wenn dieses Land ganz weit Vorne am Abgrund steht, sollten wir die anderen Länder nicht vergessen. Und was, wenn alle fünf (+GB) Länder sich “entschliessen”, zusammen in den Abgrund zu springen..? Oder wie stark sind diese Länder voneinander abhängig? Welche Kettenreaktion würde ausgelöst?

Hier sind mir zu viele Variablen unsicher, als dass ich mich nur auf ein Land konzentrieren würde. Das “Experiment” droht aus dem Ruder zu laufen.

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