Konkurse von Banken in den USA

by rwilli on 3. Februar 2010

Diese etwas besorgnis erregenden Grafiken habe ich beim lesenswerten Blog von Calculated Risk gefunden. Sie zeigen die Anzahl Konkurse von Banken in den USA im Zeitraum von 2008 bzw. 1934 bis heute.

Konkurse von Banken in den USA (2008-2010)

Konkurse von Banken in den USA (2008-2010)

Die Zahlen werden monatlich von der “Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC)” geliefert. Dabei handelt es sich um einen 1933 ins Leben gerufenen Einlagensicherungsfonds in den Vereinigten Staaten. Im Rahmen des “Glass-Steagall-Act” sollte durch die Schaffung der FDIC – neben der vorgeschriebenen Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken -  das Vertrauen in den Bankensektor zurück gewonnen werden.

Die erste Grafik macht deutlich, dass die Konkurse von Banken in den USA im Jahr 2009 deutlich höher lagen als 2008. Im letzen Jahr meldeten 140 Banken ihren Konkurs an. Die ersten Wochen des neuen Jahres sahen den Trend noch beschleunigt. Mehr als ein Dutzend Banken haben in diesem Jahr in den USA bereits geschlossen. So schlimm wie bei der “Savings & Loan-Krise” ist’s aber bei weitem noch nicht:

Konkurse von Banken in den USA (1934-2010)

Konkurse von Banken in den USA (1934-2010)

Schlussendlich – und hier steigt die Dramatik wieder etwas an – zählen aber nicht die Anzahl Banken sondern die im Konkurs involvierten Vermögenswerte. Darüber gibt die letzte Grafik Auskunft:

Konkurse von Banken (inkl. Assets)

Konkurse von Banken (inkl. Assets)

Im Gegensatz zur Anzahl konkurs gegangener Banken liegt das Total der betroffenen Vermögenswerte (Assets) in der aktuellen Krise bereits höher als in den Achzigerjahren. 1988 und 1989, zum Höhepunkt der S&L-Krise, gingen 763 Banken mit einem Total an Vermögenswerten von $309 Mrd. unter. In der aktuellen Kredit- und Finanzkrise sind es 149 Banken (2008 und 2009) mit einem Total von $473. Mrd.

Quelle: Calculated Risk

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{ 3 comments… read them below or add one }

Torsten von finanzkraft.de 3. Februar 2010 um 17:05

Die Aussage über das Verhältnis von Pleitebanken zu verlorenem Anlagevermögen finde ich interessant. Das bedeutet doch im Klartext, dass beim Crash 2008/2009 der Spekulationsschwerpunkt bei einer geringen Anzahl von Banken lag. 1988/89 haben mehr Banken spekuliert, aber eben vorsichtiger als heute.

rwilli 3. Februar 2010 um 21:22

@Torsten
Genau, das hat mich auch am meisten beeindruckt. Die Ursachen der Krise dürften damals wie heute ähnliche sein. Allzu sorgloser Umgang mit Kreditrisiken, Übermut, Immobilienblase. Dass das Ausmass der aktuellen Krise um so viel höher liegt, dürfte m.E. mit den komplett falschen Anreizstrukturen (es gab damals noch nicht eine so stark ausgeprägte Bonus-Kultur) sowie mit der Verbriefung (Der Kreditgeber trägt nicht mehr das Kreditrisiko) zusammenhängen. – Hey, danke für deinen Kommentar!

Christoph 8. Februar 2010 um 14:49

Anfangs “krisenbegeistert” hat bei mir das Interesse an den mal wieder über’s Wochenende verblichenen Banken schnell nachgelassen. Und zwar eben aus dem Grund, dass es bei den Meldungen (fast) immer nur um die Anzahl der Banken ging.
Dabei müsste jedem Grottenolm und sogar dem einem oder anderen studierten Ökonomen klar sein, dass die Höhe der betroffenen Assets wesentlich aussagekräftiger ist.

Daher finde ich speziell die dritte Grafik interessant.

Allerdings sollte man auch bei Grafik #3 den Einfluss von Lehman Brothers nicht vergessen. Alleine Lehman dürfte 2008 wohl für ungefähr 100 Mrd. $ Schaden gut gewesen sein.
Und 2009 (ohne Lehman) war dann ja schon wieder in der ganz normalen S&L-Größenordnung.

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