Ist ja übel dran, der Euro. Hat allein in den letzten drei Monaten rund 10% gegen den fundamental so angeschlagenen US-Dollar verloren. Begonnen hat die Talfahrt mit Bedenken über den Zustand der PIGS-Länder, allen voran Griechenland.
Letzte Woche wurden dann wieder einmal Verschwörungstheorien laut. Demnach sollen in New York “geheime Treffen” von Hedge Funds-Managern stattgefunden haben mit dem Ziel, den Euro bis auf die Parität (1:1 zum US-Dollar) zu drücken.
Tatsächlich sind so viele Short-Positionen gegen den EUR offen wie noch nie. Werfen wir einen Blick auf diese spannende Grafik von Wellenreiter-Invest:
Die graue Kurve stellt natürlich den Kursverlauf des EUR gegen den USD dar. Die blaue Kurve zeigt die Netto-Positionen aller “Commercials”. Diese Positionen entstehen durch professionelle Absicherungsgeschäfte. Die grüne Kurve zeigt die Position der “small specs”, der Klein-Spekulanten. Diese Geschäfte sind wegen des geringen Volumens nicht meldepflichtig. Bleibt noch die rote Kurve, welche die offenen Futures-Geschäfte der “large specs”, also der Gross-Spekulanten zeigt. Aufgrund der grossen Volumina sind solche Geschäfte an der jeweiligen Derivate-Börse meldepflichtig.
Klar ersichtlich, dass die Gross-Spekulanten noch nie soviele Short-Positionen gegen den EUR offen hatten wie jetzt. Womit für einige allzu oberflächliche Marktbeobachter bereits klar ist, dass grosse Hedge Funds hinter den Kursverlusten des EUR stehen. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Es gilt zu bedenken, dass
- bei jedem Trade eines Hedge Funds jemand auf der Gegenseite steht. Man kann einen Futures-Kontrakt nur verkaufen, wenn man jemanden findet, der ihn zum gleichen Preis kaufen will. Das ist ja das Spannende an den Finanzmärkten. Dass gleichzeitig jemand kauft und jemand verkauft… und beide sich für clever halten.
- täglich an den Währungsmärkten Geschäfte im Wert von rund $2’000 Mrd. getätigt werden. Das macht etwa $50’000 Mrd. pro Monat. Auch wenn sich grosse Hedge Funds absprechen und gemeinsam agieren würden, sind sie zu klein, um diese Märkte manipulieren zu können.
- es keine Geheimnisse um den EUR gibt. Die Währung ist schlicht und einfach angeschlagen, weil einige Länder keine Budgetdisziplin üben und bei der Aufnahme geschummelt haben.
Die Daten für die obigen Grafik stammen überigens aus dem Commitment of Traders-Report, welcher jeden Freitag von der US Commodity Futures Trading Commission publiziert werden.
Chart: Wellenreiter-Invest










{ 4 comments… read them below or add one }
…anyway gut fuer alle die dollars halten…..der eur faellt, wir switchen und danach lassen wir den dollar sterben……hat sowieso ausgedient…
und da fragt sich einer, warum die deutschen immer wollen, dass wir in die EU kommen, dann würden wir nämlich die sein, welche am meisten zahlen und das ganze tragen würden…
@Martin
Tja, wir würden wohl auf dieser Grafik klar in der oberen Hälfte stehen…
@rwilli, ich denke auch, das blatt würde ein riessen rotes dreieck bekommen
{ 1 trackback }