Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslage (Teil 1/5)

by rwilli on 18. Oktober 2010

Ich bin in letzter Zeit immer wieder über hochspannende Informationen und Grafiken zum Thema “Rekordhohe Korrelationen” gestolpert. Und ich bin der Meinung, dass hier wesentliche neue Erkenntnisse vorliegen, welche einen direkten Einfluss auf viele Investoren haben. Da es sich aber nicht gerade um leichte Kost handelt, mache ich ein paar kleinere, verdauliche Häppchen daraus. In einer Wochenserie:

Teil 1: Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslange
Teil 2: Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache
Teil 3: Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETF’s als Ursache
Teil 4: Rekordhohe Korrelationen: Programmhandel als Ursache
Teil 5: Rekordhohe Korrelationen: Schlussfolgerung

Na gut, dann legen wir doch los! Die erste Grafik (Quelle) zeigt die Korrelationen unter Aktien. Genauer gesagt die Korrelationen unter den 500 im S&P500-Index vertretenen Aktien. Die Korrelation gibt an, wie stark sich diese 500 Aktien “im Gleichschritt” bewegen. Je höher also der Wert, desto mehr entwickeln sich die Aktien in die gleiche Richtung.

20101018 SP500 Korrelationen Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslage (Teil 1/5)

Korrelationen im S&P500

Fast nie in der jüngeren Geschichte der Aktienmärkte waren die Korrelationen so hoch wie jetzt. Dies verleitet denn auch Marko Kolanovic von J.P. Morgan zur Aussage, dass wir es momentan mit einer “Correlation Bubble” zu tun haben. Die Bewegungen der im Index enthaltenen Aktien liegen also sehr eng beieinander. Wenn man die Kapitalisierung des S&P500 betrachtet, kann man wohl vom ganzen US-Aktienmarkt sprechen.

“Moment!” entgegnen nun sicher ein paar Leser. “Die Korrelationen unter Aktienmärkten verschiedener Länder und die Korrelationen unter Anlagekategorien/Anlageklassen sind viel wichtiger.”  Stimmt wohl, falls man mit den heute gängigen Interpretationen der Modernen Portfolio Theorie (MPT) arbeitet. Aber es sieht nicht viel besser aus.

Die zweite Grafik (Quelle, klicken für volle Grösse) zeigt die Korrelationen verschiedener Länder und Anlageklassen. Seht euch mal die linke obere Ecke an. Von Amerika über BRIC nach Europa, sehr hohe Korrelationen. Sicher nicht geeignet, um in irgendeiner Form den gewünschten Diversifikationseffekt aus der MPT erzielen zu können.

20101018 Korrelationen Welt Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslage (Teil 1/5)

Weltweite Korrelationen (Anlagekategorien)

Halten wir also fest: Die Korrelationen an den internationalen Finanzmärkten sind historisch gesehen sehr hoch. Wer basierend auf den Erkenntnissen der MPT ein Portfolio strukturieren will muss, kommt zunehmend an Grenzen. Das Portfolio verhält sich anders als den Kunden versprochen geplant.

20101018 Korrelationen realisiert1 Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslage (Teil 1/5)

Korrelationen im S&P500

Die letzte Grafik (Quelle) hält diese Aussage nochmals – in detaillierterer Form – fest. Sowohl die über drei Monate wie auch die über zwei Jahre gemessenen Korrelationen waren in der Geschichte der Aktienmärkte selten so hoch. Nur gerade Extremsituationen wie der Börsencrash von 1987 brachten ähnlich hohe Korrelationen.

Höchste Zeit also, den möglichen Ursachen dieses Phänomens auf den Grund zu gehen. Morgen geht’s weiter mit ein paar möglichen Ursachen aus dem makroökonomischen Umfeld. Spannend, gell!?

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