Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache (Teil 2/5)

by rwilli on 19. Oktober 2010

Diese Woche läuft auf financeBLOG eine Serie zum Thema “Rekordhohe Korrelationen”. Jeden Tag wird aus diesem spannenden, für Investoren sehr relevanten Thema ein “verdauliches Häppchen” präsentiert. So sieht der Wochenplan aus:

Teil 1: Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslange
Teil 2: Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache
Teil 3: Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETF’s als Ursache
Teil 4: Rekordhohe Korrelationen: Programmhandel als Ursache
Teil 5: Schlussfolgerung

Falls du später zugeschaltet hast, empfehle ich dringend, die vorherigen Artikel zu lesen. Sie bauen aufeinander auf.

So, nun aber zum 2. Teil. Wir haben am Montag festgestellt, dass zur Zeit an den internationalen Finanzmärkten rekordhohe Korrelationen zu beobachten sind. Aktien bewegen sich im Gleichschritt, im S&P500 kommt es kaum mehr zu Abweichungen vom Kurs. Nur gerade Extremsituationen wie der Börsencrash 1987 haben ähnlich hohe Korrelationen gebracht. Dies ist auf der ersten Grafik (Quelle) gut zu sehen.

20101018 Korrelationen realisiert Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache (Teil 2/5)

Realisierte Korrelationen im S&P500

Eine mögliche Erklärung dieses Phänomens findet man im makroökonomischen Umfeld. In Phasen hoher Unsicherheit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung werden Aktienkurse stark von makroökonomischen Kennzahlen getrieben. Es sind in solchen Phasen also die Arbeitslosigkeit, Inflationserwartungen, Wirtschaftswachstum oder Zinssatzänderungen, welche massgebend sind. In Phasen makroökonomischer Unsicherheit müssten also hohe Korrelationen unter den Aktienmärkten feststellbar sein, da nicht einzelne Unternehmenszahlen, sondern der Gesamtblick der Wirtschaft stärker beobachtet wird.

Nun, auch die Volatilitäten sind in solchen Phasen höher. Das bekannteste Barometer, um die Unsicherheit an den Finanzmärkten zu messen, ist der Volatilitätsindex VIX. Den regelmässigen Lesern des financeBLOG aus zahlreichen früheren Artikeln bestens bekannt. Die nächste Grafik (Quelle) untersucht genau dieses Verhältnis. Wie entwickelt sich der VIX im Verhältnis zu den Korrelationen im S&P500?

20101018 Volatility Correlation Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache (Teil 2/5)

Korrelationen und Volatilität im S&P500

Die Regressionsanalyse zeigt, dass ein starker Zusammenhang zwischen hohen Volatilitäten und hohen Korrelationen besteht. Dies bestätigt die obige Aussage, dass in Phasen hoher wirtschaftlicher Unsicherheit die Aktienkorrelationen steigen. Die einzelne Aktie interessiert weniger als die gesamte Marktentwicklung.

Es gibt auch immer wieder Phasen, in denen Volatilitäten und Korrelationen auseinander driften. So zum Beispiel nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 (grüner Punkt). Es herrschte grosse Unsicherheit, welche durch hohe Volatilitäten und einen hohen VIX zum Ausdruck kamen. Die Korrelationen unter den Aktien waren aber äusserst tief. Klar, der Markt musste unterscheiden zwischen “Old Economy” (stabile Cash Flows, funktionierendes Geschäftsmodell, ausgewogene Bilanzstruktur) und “New Economy” (Cash Burn Rate, Klicks statt Kunden, Fremdfinanzierung).

Heute stehen wir “am anderen Ende der Skala”. Das Mass an Unsicherheit in Markt ist gleich hoch wie nach dem Platzen der Internet-Blase (hoher VIX). Die Aktienbewegungen sind aber grösstenteils durch makroökonomische Kennzahlen verursacht (hohe Korrelation). Diese Feststellung (roter Punkt) führt zur Aussage von Marko Kolanovic (J.P. Morgan), wir befänden uns in einer “Correlation Bubble”.

Die letzte Grafik für heute stellt das Verhältnis von Volatilität und Korrelation noch detaillierter dar. Die schwarze Kurve zeigt die gemessenen Einjahres-Volatilitäten während der letzten zwanzig Jahre. Die graue Kurve zeigt die gemessenen Einjahres-Korrelationen für den gleichen Zeitraum. Die blaue Kurve zeigt die Differenz. Nie in den letzten zwanzig Jahren war diese sogenannte “Excess Correlation” höher als jetzt. Weiter kann festgestellt werden, dass die Korrelation unter Aktien im S&P500 in den letzten zehn Jahren stetig angestiegen sind. Zwar mit erheblichen Schwankungen und Abweichungen, aber einem Trend zu höheren Korrelationen folgend.

20101018 ExcessCorrelation1 Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache (Teil 2/5)

Halten wir fest: Die zur Zeit an den Finanzmärkten zu beobachtenden, rekordhohen Korrelationen können zum Teil mit dem aktuellen makroökonomischen Umfeld begründet werden. Die momentan grosse Verunsicherung in Bezug auf die weltweite Wirtschaftsentwicklung – bestätigt durch den Volatilitätsindex VIX – überstrahlt die einzelnen Unternehmensmeldungen. Losgelöst von der aktuellen Wirtschaftslage kann weiter ein weltweiter Trend zu höheren Korrelationen beobachtet werden. Vor allem in den letzten fünf Jahren haben Korrelationen deutliche mehr zugelegt als Volatlitäten. Es muss also noch weitere Gründe für die steigenden Korrelationen geben.

Morgen widmen wir uns einer weiteren möglichen Ursache. Morgen geht’s um die Rolle von ETF’s und Index-Futures in diesem Umfeld hoher Korrelationen. Dies dürfte spannend werden, sind ETF’s und passives Investieren doch die Liebkinder zahlreicher Investoren. Wenn diese nur keine bösen Überraschungen erleben in den nächsten Jahren…

Bist du morgen auch wieder dabei? Stay tuned…

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