Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETF’s als Ursache (Teil 3/5)

by rwilli on 20. Oktober 2010

Diese Woche läuft auf financeBLOG eine Serie zum Thema “Rekordhohe Korrelationen”. Jeden Tag wird aus diesem spannenden, für Investoren sehr relevanten Thema ein “verdauliches Häppchen” präsentiert. So sieht der Wochenplan aus:

Teil 1: Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslange
Teil 2: Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache
Teil 3: Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETF’s als Ursache
Teil 4: Rekordhohe Korrelationen: Programmhandel als Ursache
Teil 5: Schlussfolgerung

Falls du später zugeschaltet hast, empfehle ich dringend, die vorherigen Artikel zu lesen. Sie bauen aufeinander auf.

Jetzt aber los! Wir haben bis jetzt festgestellt, dass zur Zeit rekordhohe Korrelationen festgestellt werden können. Zahlreiche in dieser Serie präsentierte Grafiken untersuchen zwar das Verhältnis der im S&P500 vertretenen Aktien. Viele Aussagen können aber auch für weitere, weltweite Aktienmärkte übernommen werden oder sind gar über alle Anlageklassen gültig.

Wir sind gerade daran, mögliche Ursachen für diese hohen Korrelationen aufzulisten. Gestern wurde gezeigt, dass zwischen den Korrelationen der S&P500-Aktien und der Verunsicherung über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung – gemessen am Volatilitätsindex VIX – ein starker Zusammenhang besteht. Und dass wir uns an einem Punkt befinden, der auch schon zur Feststellung einer “Corrrelation Bubble” geführt hat. Heute geht’s nun um die Rolle von Index-Futures und ETF’s.

20101018 Futures ETFs Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETFs als Ursache (Teil 3/5)

Futures und ETF's in Prozent des Marktvolumens

Diese Grafik (Quelle) zeigt auf, wie stark der Einsatz von “Indexprodukten” zugenommen hat. Die blaue Grafik stellt den prozentualen Anteil von Futures am gesamten “normalen” Cash-Aktienmarkt dar. Rot sieht man den Anteil von ETF’s. Futures und ETF’s machen also rund 140% des “normalen” Aktienhandels aus. (Eine Zahl über 100% ist natürlich nur möglich, weil man beim Einsatz von Futures mit Leverage arbeitet.)  Der Einsatz von Indexprodukten hat in den letzten zehn Jahren stark und regelmässig zugenommen. Diese Feststellung hättest du wohl auch bestätigt, ohne diese Grafik zu sehen… Der vermehrte Einsatz von Indexprodukten geht einher mit den erhöhten Korrelationen der letzten Jahre.

Die Futures zuerst: Wer einen Future auf den S&P500 kauft, platziert ja eigentlich gleichzeitig einen Kaufauftrag für alle 500 im Index enthaltenen Aktien. Diese 500 Aktien erhalten durch den Futurekauf also gleichzeitig den gleichen kleinen “Kauf-Anstoss”. Beim “closing” des Futures natürlich auch, es wird quasi gleichzeitig ein Verkaufsauftrag für alle 500 Aktien ausgelöst. So ist es doch nur logisch, dass der Einsatz von Futures die Korrelation unter diesen 500 Aktien erhöht! Wenn es an den Finanzmärkten nur Futures und keine Aktien gäbe, läge die Korrelation der enthaltenen Werte bei 100%.

Bei den ETF’s sieht es leicht anders aus: Wenn der ETF einen breiten Aktienindex abdeckt, gilt dieselbe Sichtweise wie oben bei den Futures. Der Einsatz von passiven Index-ETF’s erhöht die Korrelation unter den Aktien. In den USA decken zur Zeit rund 60% der ETF’s breit gefasste Akteinindizes ab. Rund 30% der ETF’s investieren aber in Sektoren/Branchen. Diese erhöhen die Korrelationen in diesen Sektoren/Branchen und reduzieren damit die allgemeine Korrelation im Markt. Die restlichen 10% ETF’s decken übrigens Rohstoffe oder Obligationen ab und haben kaum Einfluss auf die Aktien-Korrelationen.

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Der Einsatz von Futures dürfte weitaus gewichtiger sein als der Einsatz von ETF’s. Der Nominalbetrag von Futures ist deutlich höher als bei einem ETF. Und nicht alle ETF’s führen zu steigenden Marktkorrelationen, wie oben gesehen.

Womit wir bei der letzten Grafik (Quelle) für heute angelangt wären. Sie zeigt die sogenannte “Excess Correlation”, welche wir gestern kennen gelernt haben. Also denjenigen Teil der Korrelationen, der nicht mit allgemeiner Marktunsicherheit (VIX) begründet werden kann. Vergleicht man nun diese “Excess Correlation” mit dem Anteil von Futures am Gesamtmarkt, so sieht man die auffälligen Parallelen. Offensichtlich treibt der Einsatz von Index-Futures die Korrelationen unter den im Index enthaltenen Aktien in die Höhe. Die Behauptung am Anfang des heutigen Artikels ist also (zumindest teilweise) belegt.

So. Ende des 3. Teils meiner kleinen Wochenserie. Es kann festgehalten werden, dass der Einsatz von Indexprodukten (vorwiegend Futures, aber auch ETF’s) in den letzten fünf bis zehn Jahren zu anhaltend steigenden Korrelationen unter den Aktien geführt hat. Die aktuell rekordhohen Korrelationen können also zum Teil damit begründet werden. Je mehr Index-Futures im Einsatz, desto höher die Korrelationen.

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