Diese Woche läuft auf financeBLOG eine Serie zum Thema “Rekordhohe Korrelationen”. Jeden Tag wird aus diesem spannenden, für Investoren sehr relevanten Thema ein “verdauliches Häppchen” präsentiert. So sieht der Wochenplan aus:
Teil 1: Rekordhohe Korrelationen: Ausgangslange
Teil 2: Rekordhohe Korrelationen: Makroumfeld als Ursache
Teil 3: Rekordhohe Korrelationen: Futures und ETF’s als Ursache
Teil 4: Rekordhohe Korrelationen: Programmhandel als Ursache
Teil 5: Schlussfolgerung
Falls du später zugeschaltet hast, empfehle ich dringend, die vorherigen Artikel zu lesen. Sie bauen aufeinander auf.
Heute wird’s nochmals so richtig spannend. Wir haben bereits ein paar mögliche Ursachen der zur Zeit sehr hohen Korrelationen aufgelistet und analysiert. So führen Phasen erhöhter Unsicherheit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung zu höheren Korrelationen. Dies reicht als Erklärung aber nicht aus. Ein erheblicher Teil der hohen Korrelationen unter Aktien wird dem stetig steigenden Einsatz von Indexprodukten zugeschrieben. Je mehr Index-Futures und ETF’s im Einsatz, desto höher die Korrelationen. Da drängt sich die Frage ja geradezu auf, welchen Einfluss denn Programmhandel oder eben “High Frequency Trading (HFT)” auf die Korrelationen hat.
Der Anteil von Aufträgen, welche an der New York Stock Exchange (NYSE) von Computern und nicht von Händlern ausgelöst wird, nimmt gemäss obiger Grafik (Quelle) stetig zu. Zwar nahm der Programmhandel während der Finanzkrise zwischenzeitlich etwas ab, er macht aber aktuell wieder rund ein Drittel des gesamten Börsenhandels an der NYSE aus. Innerhalb des Programmhandels spielt natürlich das High Frequency Trading eine grosse Rolle. Grob gerundet entfallen also rund die Hälfte aller von Computern ausgelösten Transaktionen auf HFT, dienen also nicht dem Ausführen eines Börsenauftrags, sondern lediglich dem Ausnützen von Kleinstdifferenzen bei Geld und Brief. Dies ist aus folgender Grafik ersichtlich:
Dieser stets steigende Einsatz von Programmhandel und HFT verändert natürlich die Struktur eines Finanzmarkts. Nehmen wir zum Beispiel “Index Arbitrage”. Wenn eine Gruppe von Aktien den Index outperformt, setzen sofort durch Computer ausgelöste Verkäufe der Aktie und Käufe des Index ein, um die Differenz wieder auszugleichen. So eine (beispielhafte) Transaktion erhöht die Korrelation und reduziert gleichzeitig die Volatilität dieser Aktien.
Eine weitere HFT-Technik nennt sich “Statistical Arbitrage”. Vereinfacht gesagt berechnet der Computer die Korrelation von zwei Aktien. Entwickelt sich nun eine Aktie besser als die andere – wir sprechen hier von Sekunden, ev. Minuten – verkauft das HFT-Programm die “bessere” und kauft die “schlechtere”. Damit wird die Korrelation unter diesen beiden Aktien erhöht und die Volatilität reduziert.
Noch ein HFT-Beispiel: Die HFT-Software teilt einen grossen Börsenauftrag in zahlreiche kleine Börsenaufträge auf und führt sie an der Börse aus. Damit wird der Einfluss einer grossen Order auf den Preis einer Aktie reduziert. Die Ausschläge in dieser Aktien (Volatilität) fallen tiefer aus und erhöhen die Korrelation zum Index.
Die Gefahren von HFT liegen woanders. HFT sind ja nichts anderes als Computerprogramme, welchen einige Parameter in normal funktionierenden Märkten zugrunde liegen. Sie können nichts anderes, also ihre Algorithmen runterspulen und können nicht eine Marktsituation beurteilen oder einschätzen. Um sich vor möglichen Fehlern zu schützen, sind entsprechende “Circuit breakers” eingebaut. Stark vereinfacht ausgedrückt: Wenn ein Programm die aktuelle Marktsituation nicht mehr “versteht”, stellt es den Handel ein. Dies kann zu Extremsituationen führen, weil die Geld- und Briefkurse plötzlich verschwinden. Das bis jetzt berühmteste Beispiel ist der Flash Crash vom 6. Mai 2010. Kannst ruhig mal reinhören in diesen Flash Crash.
Halten wir fest: Programmhandel und High Frequency Trading können sehr wohl – neben anderem – als Ursache für die aktuell rekordhohen Korrelationen heran gezogen werden. Im Gegensatz zur oft gehörten Meinung steigern sie aber nicht die Volatilitäten, diese werden eher reduziert. Jedoch steigt das “Tail Risk” erheblich! Ein Ereignis also, das eigentlich nur sehr selten vorkommen sollte und einen gewaltigen Einfluss auf Rendite und Performance haben kann.
Hey, wir sind fast durch mit dieser kleinen Wochenserie. Morgen halte ich ein paar Schlussfolderungen fest und wage ein paar Behauptungen. Stay tuned…











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Ich freue mich schon auf die Schlussfolgerungen …
@Uwe
Ich auch…